Klaus Heinzl

mein Testament


Angesichts der Lebensdauer, Lebenszeit, wie man sie nennt,

schreibe ich die letzten Zeilen, jetzt, solang man mich noch kennt.

Testament wird man es nennen, dieses Blatt für den gedacht,

der sich dann beim Leichenschmause ... über mich recht lustig macht.

 

Nun, was hab ich nachzulassen, was kann ich denn schon vererben,

weil es eigentlich auch Zunft ist, sollte jemand jemals sterben.

So sitz still ich vor dem Hause, was mir leider nicht gehört,

und was all die Anverwandten sicherlich ein wenig stört.

 

Grad darum muss man nicht streiten, um mein Hab und auch mein Gut,

weil ich keinen Luxus hatte, ausser meinen Trachtenhut.

War mir immer lieb und teuer, keiner will ihn? Mir ist´s recht !

Will mich eh verbrennen lassen und mein Hut, er brennt nicht schlecht.

 

War ein Künstler, schrieb und malte, gar so manches Werk im Stillen,

aber weils im Grab zu eng wär, zählt es auch zum letzten Willen

diese Kunst an den zu schenken, dem, der es zu schätzen weiss...

Erst, wenn ich ganz kalt und steiff bin, wird es wertig und auch heiss.

 

Meinen Hund, den ich nie hatte... meine alte Kellerratte,

das bekommt mein Schwesterlein, Ratten hasst sie obendrein.

Hab noch, das seit 14 Jahren, Räucherfleisch ( mitsamt  den Haaren )

auch 2 Flaschen guter Weine, liegen rum, noch ganz alleine.

 

Eine Flasche korkt, ist recht...   ...Essig ist doch auch nicht schlecht.

Wünsch´ euch, die ihr noch am Leben, stets den Willen, mehr zu geben,

als ihr selbst bekommen habt...  jetzt, wo ihr zum Friedhof trabt...

Denkt an mich und nicht ans Erben...  könntet morgen selber sterben...

 

Und was brächte Euch ein Laster mit Juwelen oder Zaster?

Auch ein Denkmal, das sie machten, würd man später kaum beachten.

Testament, sei es nun rum,    .... letztlich zählt Erinnerung...

Denkt an mich, als Freund und Narr...  der ich euch gewogen war.

 

Gab es auch mal schlechte Zeiten, die mit Zank und bösem Streiten...

Ging es zu und das mal toll...   kloppten uns die Hucke voll,

aber dann kam das Versöhnen...   Freundschaft, die mit sanften Tönen.

Denn das Leben ist mal eben ... nicht nur nehmen... auch ein Geben.

 

Und dann sitzt ihr vor dem Schreibtisch, der Notar, es ist ein Mann.

Er erklärt euch dann das Erbe, ( das man auch verweigern kann...)

Ist es eine Mogelpackung, werdet ihr mich alsbald hassen ?

Denn vielleicht hab ich euch Geier hier nur Schulden hinterlassen.

 

Und aus eurem breiten Grinsen, wird nun Trauer ... per Visage,

ihr bekommt nun, so als Zubrot und als Erbe die Blamage.

So ein Testament ist neckisch... wie ein Überraschungsei.

Ist im Inhalt nichts Brilliantes oder Sinnvolles dabei...

 

Nun, ihr habt, durch diesen Umstand hoffentlich dazugelernt.

Wenn ihr mit dem Dokumente euch vom Amtszimmer entfernt.

Einz´ger Trost, ihr lieben Erben, die ihr vor dem Grabe singt,

habt nun einen Grund zu trauern...  was mich fast zum Grinsen bringt.

 

 

© kh. 23.10.2019

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 27.10.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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