Bernhard W. Rahe

Ewige Wasser

In luftigen Höhen, über schroffen Bergen und grünen Wäldern,

fernab von den Menschen, Tieren, Pfaden und gelben Feldern,

sammeln sich Wasser, aus sehr hohen Gewölben und Pforten,

sich energetisch vereinend an plätschernd magischen Orten.

Ergießen sich Rinnsale und Bäche entsprungen aus altem Fels,

ein ewiges Eis langsam vergeht, zerronnen in warmem Schmelz.

Die Ströme kommen zur Ruh in einem klaren kühlen Bergessee,

sie triumphieren über des Gletschers Eis und glitzerndem Schnee.

Aus feuchten Höhlen rinnen beinah lautlos über Geröll und Stein,

die erfrischenden Güsse, die sich im gläsernen See flüchtig verein'.

Baum und Berge widerspiegeln sich auf diamantener Fläche,

und nicht weit in der Ferne da gurgeln schon die wilden Bäche.

Im hohen Bergsee ruht eine gigantisch archaische Wassergewalt,

auf dem Grunde geben steinerne Platten den Quellen Halt.

Hier warten Abermilliarden Tropfen, vereint zu reizbaren Kräften,

genährt von gigantisch sprudelnden und gurgelnden Säften.

So strömen, brausen, fließen Tropfen, Rinnsale und Regengüsse

in den glänzenden See, hinein, in den Strom, in Bach und Flüsse,

durchströmen, queren kalte Tiefen über zeitgeglättetes Gestein,

möchten bleiben, möchten harren, dieses aber nur zum Schein.

Irgendwo an einer geheimnisvollen Stelle jener eisigen Wanne,

steht seit mehr als fünfhundert Jahren die seltsam geneigte Tanne.

Da ist der Ort des Schicksals, wo schon alle Wassermengen wallen,

lassen sie sich rücksichtslos tosend in die wahnsinnige Tiefe fallen.

Dröhnend zu Tale stürzen enorme und strotzende Wassermassen,

in Kaskaden drehend schaffen sie jede Hürde, sind nicht zu fassen,

reißen die dunstige Luft aus den Wolken mit einer manischen Gier,

errichten einen achtbaren Regenbogen dem Menschen zur Zier,

stürzen tollkühn in den Malstrom, zornig hinein in des Kessels Tiefen,

als ob die Geister der pulsierenden Städte sie dürstend zu sich riefen.

Luft und Wasser tanzen polternd aus schwindelnden Höhen hinab,

an Orte, die die Wasser schon fast vergessen – erneut – in ihr Grab.

In die Städte, Gefilde, Becken, Wannen, Flaschen, Gläser, Mägen,

hinein in Rohre, Kanäle, in dunkle stinkende Grüfte und Gräben,

wo keine Fische tauchen, Frösche nicht quaken, Ratten ersaufen,

dort, wo Rinnsale von schmutzigen Kloaken und Urinalen verlaufen.

Aber bald drängen erneut die besudelten breiigen Wassermengen

hinaus aus Kanälen, ehernen Rohren, stinkenden steinernen Engen

an Luft, an Licht und abermals von der Sonne erwärmt – verdunst',

steigen sie auf zu den Wolken, über die Berge, in grandioser Kunst.

Und so fällt jeder Tropfen, hinab, hinein in Mensch, Pflanze und Tier,

wandelt sich in jeder Zelle zu Leben, zu Liebe, Wasser - ein Elixier.

 

b.w.r.

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