Brigitte Waldner

Der Räuber hat sie nicht alle


Der Räuber stahl das Jesuskind,
zwei der Heiligen-Drei-Könige,
mehrere Engel, Hirten und Lämmer.
Drei Figuren ließ er mir zurück:
Josef und Maria und einen heiligen König.
Er hat von den Figuren den Großteil geklaut,
aber er hat sie nicht alle.

So wie er das mit allen Sets macht, die er zerreißt,
seien es Kochtopfsets oder Werkzeugsortimente,
wie auch Pölster von den Bettwäschegarnituren.

Er stahl auch den hellblauen Rosenkranz,
der im Licht changierend schillerte,
den mir der polnische Pfarrer geschenkt hatte.
Der Räuber stahl das neuwertige Gesangs- und Gebetsbuch Gotteslob,
das meine Mutter in der christlichen Bücherstube gekauft hatte,
da wir die in der Kirche aufliegenden gleichartigen Bücher
aus hygienischen Gründen nicht anfassen wollten.

Ich dachte, ich hätte es in der Kirche einmal liegen lassen,
so wie ich es mir immer dachte, dass ich alles verliere,
und dass meine Mutter immer alles verliert.

An der festlichen Messe zu Allerheiligen nahm der Räuber
samt seiner Räubersgattin teil.
Im Vorbeigehen beim Grab sagte ich zu ihm:
"Wie viele Kochtöpfe wird Rudi diesmal holen?
Das vorige Mal verschwanden zwei große neue Kochtöpfe."
Der Räuber antwortete: „Ach so, der Rudi war das.
Ja, die brauche ich.“ Seine Räubersgattin sagte nichts.

Ich sagte: „Ihr hattet ja meine Schlüssel.“
Daraufhin antwortete er: „Ja ja, die Schlüssel haben wir.“
Die Schlüssel hatte er alle geklaut. Hoffentlich nicht auch schon wieder die neuen.

© Text und Foto: Brigitte Waldner

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