Thomas-Otto Heiden

Sie sollen nicht vergessen sein





Sie sollen nicht vergessen sein
 


Ich leb drei Jahre nun, im Wuppertaler Norden.
Und um die Stadt mal zu erkunden.
Drehte ich, ein Paar ganz große Runden.
Und wie ich so spazieren ging,
zu meinen Füßen,
ich etwas, von der Sonnenstrahlen Lanzen getroffen sah,
wie es golden glitzernd blinkt.
So blieb ich stehen.
Als nun mein Bick, zu diesem Blinken auf den Boden sank,
da sah ich, das von unbestimmter Hand,
mehrere aus Messing gefertigte kleine Dinge,
eingelassen in Zement.
 
Darauf ein Name, Geburtstag, Sterbetag.
Auch der Ort wo es geschah.
Ich las:
Hanna Zuckerberg,
und Ida Rosenthal,
ich las Oskar Jelnik,
und Eva Heidenreich.
 
Ich las noch hunderte andere Namen,
auf dem Weg durch meine Stadt.
Das Herz wurd mir dabei so schwer.
Denn so etwas, dass sah und las ich,
noch niemals vorher.
Die Namen waren einmal Menschen,
sie wohnten einst an diesem Ort,
in dieser Stadt, wo ich nun stand.
Sie lebten dort Tag ein Tag aus,
dann kamen Fremde in ihr Haus.
Fremde die einst Freunde waren,
wo alles noch so friedlich war,
und warfen sie hinaus.
Es trifft mich jedes Mal aufs neu ganz sehr,
wenn ich seh, ein so blinkend Ding.
Dann bleib ich stehen, und les den Namen.
Meistens sogar laut.
Dass jeder ihn gut hören kann.
Streich sanft darüber mit der Hand.
Denn Namen sind nun mal, nicht Namen nur.
Sie sind ein Leben, eine Geschichte ein Gesicht.
Sie sind Liebe, Freude, Trauer, Glück.
Und dieses gülden Messingding,
erzählt davon, dass wir es nie vergessen.
 
 
Thomas-Otto Heiden

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