Aylin

Ich schreibe keine Kolumne

Ich schreibe keine Kolumne

 

Ich schreibe keine Kolumne, sondern dies ist eine fiktive Geschichte, die sich irgendwo in einem Land, nennen wir es Deutschland, so zugetragen haben könnte. Oder auch nicht.

 

Kindergarten, heute Kita genannt, weil man länger bleiben darf, sind ein großes Thema in diesem Land. In Großstädten gibt es städtische Kitas mit neuen, so genanntem „offenen Konzept“, denen man, wenn man keinen Platz in einem kleinen erwischt hat, auf Rechtsanpruch zugewiesen wird. Wahlmöglichkeiten bestehen so gut wie nicht.

Das offene Konzept stellt sich auf den ersten Blick als richtig gut dar. Keine festen Strukturen, außer einer Gruppe, die einen Morgenritus durchführt. Ansonsten sucht sich das Kind die Gruppe selbst aus, in der es basteln, spielen, singen will. Maximale Freiheit für die Sprösslinge? In der Realität stellt sich das aber etwas anders dar. 80 Kinder werden betreut von 3 Erziehern und einer Praktikantin. Eine Kinderverwahranstalt, nicht mehr.

Kinder werden auf Grund von Überforderung der Erzieher und Zeitmangel mit schwarzer Pädagogik erzogen. Mütter erzählen:

Wer nicht schnell genug die Hose runterbekommt, der pinkelt halt rein und läuft den ganzen Tag mit nasser Hose. Wer beim Mittagessen nur den Nachtisch essen will, weil er den Fraß nicht mag, der darf gar nichts mehr essen. Kinder werden angeschrien, wenn sie mal übermütig sind und als Freunde getrennt, damit sie Ruhe geben. Kinder kommen mit verkehrt angezogenen Strümpfen nach Hause oder ganz ohne Schuhe im Winter, weil sie es allein machen müssen und niemand Zeit hat, es ihnen beizubringen. Eine Kita wurde geschlossen, weil Kinder auch körperlich angegangen wurden. So was gibt es nicht in jenem Deutschland,

in dem man diktatorisch eine Impfpflicht einführt, damit es auch allen Kindern gut geht? Natürlich nicht ! Ist ja nur eine fiktive Geschichte.

Nach ein paar Monaten findet ein Elterngespräch statt. Das gab es vor dreißig Jahren auch und diente der vertrauensvollen Zusammenarbeit zwischen Eltern und Kita, zum Wohl des Kindes. Aus einem fürsorglichen Gespräch aber mutiert heute eine Art Bewertungsgutachten mit Protokoll, dem die Eltern ohnmächtig gegenüberstehen. Es kam schon vor, dass im Protokoll plötzlich negative Defizite festgehalten wurden, die man im Gespräch nicht erwähnt hatte: entwicklungszurückgeblieben, Konzentrationsstörungen, Einnässer. Aus einem behüteten, längst sauberen Kleinkind aus netter Familie mit Papa, Mama, zwei Kindern, Hund und Häuschen wird schriftlich nach ein paar Wochen ein gestörtes Kind. Dieses Protokoll aber hat Gewicht und muss der Grundschule vorgelegt werden bei der Einschulung.

Um sich abzusichern, lässt man sich im Aufnahmevertrag gleich ein Einverständnis unterschreiben, dass man die Daten speichern darf. Und bezieht das dann auch auf das Protokoll. Gibt es nicht in jenem Deutschland? Natürlich nicht! Ist ja nur eine fiktive Geschichte.

Kann ja auch nicht sein, denn nach so kurzer Zeit kann ein Kind so umfassend nicht eingeschätzt werden, schon gar nicht im offenen Konzept, wo ja ein sehr oberflächliches und nicht von Vertrauen geprägtes Verhältnis zwischen Betreuerin und Kind vorhanden ist. Außerdem könnte so etwas ein Kind lebenslang in eine völlig falsche Ecke stellen. Also absolut unvorstellbar!Natürlich! Ist ja auch nur eine fiktive Geschichte.

Nachbarn, Bekannte der Familie bestätigen ähnliche Erfahrungen in den städtischen Kitas. Eine berichtet gar davon, dass sie gerichtlich vorging und verlor, dafür aber eine Anzeige wegen übler Nachrede von der Kita bekam und zweitausend Euro Strafe zahlen musste. Alles Lügner, diese verrückten Mütter, die ihre Kinder selbst nicht kennen.

Denn man beachte das Schild am Eingang eines städtischen Kindergartens: Glaube nicht alles, was dein Kind dir über uns sagt, dann glauben wir auch nicht alles, was dein Kind uns über dich sagt. Na, das nenn ich mal Humor. Und pädagogisches Entertainment!

Aber ist ja alles nur eine fiktive Geschichte.

 

Eltern, die Geld haben, melden ihre Kinder in privaten Kitas oder Elterninitiativen an für 800 E im Monat oder mehr. Dort findet Kindergarten noch so statt wie wir ihn alle kennen und uns für unsere Kinder wünschen. Zweiklassengesellschaft.

Aber das kann ja nicht sein, oder? Natürlich nicht!

Und wenn es so wäre, dann wäre das eine Schande für ein Land wie Deutschland. Und ich würde keine fiktive Geschichte schreiben, sondern eine Kolumne.

 

 

 

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen

 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Aylin).
Der Beitrag wurde von Aylin auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 06.11.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

Die Autorin:

Bücher unserer Autoren:

cover

Frohe Weihnacht immerzu - Gedichte- & Kurzgeschichtenband zur Weihnacht von Werner Gschwandtner



„Alle Jahre wieder, kehrt die Weihnachtszeit in unsere Herzen. Tannenduft und Kerzenschein, Lieder voller Besinnlichkeit und ein harmonisches Zusammensein. Dies alles beschert uns der Advent. „Frohe Weihnacht immerzu“ beinhaltet 24 Gedichte, 2 Songtexte, sowie 3 Kurzgeschichten und meine persönlichen Gedanken zum Advent.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (2)

Alle Kommentare anzeigen

Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Nachdenkliches" (Gedichte)

Weitere Beiträge von Aylin

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Der neue Weg von Aylin . (Nachdenkliches)
Hausgemacht von Margit Farwig (Nachdenkliches)
Wos isch Glück ? von Anna Steinacher (Besinnliches)