Thomas-Otto Heiden

Als Kind

Als Kind


Als Kind hab ich nicht nachgedacht, 
was wichtig ist im Leben. 
Hab nur gelebt ganz ohne Angst, 
stets angestrebt was mir nur bringt Freude und Spaß, 
in meinem Kinderleben. 

Die Mutter sorgte sich ums Heim, 
das hat sie gern gemacht. 
Sie deckte mich auch sehr oft zu, 
wenn’s kalt wurd in der Nacht. 
Ich wusste niemals nichts davon, 
bis Sie es mir einmal gesagt. 

Der Vater brachte Geld nach Haus, 
Tag ein Tag aus, das ganze Jahr. 
Wo´s her kam wusst ich nicht genau, 
hab nicht darüber nach gedacht. 
Er sah sehr oft, sehr müde aus, 
wenn er am Abend kam nach Haus. 

Hab nichts gewusst und wollt´s auch nicht, 
von all den Qualen auf der Welt, 
die mich und all die anderen umgaben. 

Bis beide Eltern dann zum Vorwurf, 
es mir haben mal gemacht. 
Den Zeigefinger, hoch erhoben. 
Das Geld wächst nicht auf Bäumen, 
das haben sie sehr streng gesagt. 

Pass doch mal auf, 
auf deine Sachen, 
schon wieder ist kaputt die Hose. 
Die Löcher in den Strümpfen,
das andere völlig voller Schmutz. 

Wie soll ein Kind denn spielen, toben?
Wenn´s stets auf seine Kleidung achten muss. 
Hab ich dann so, bei mir gedacht. 
Ich wusste nicht die „Eine“ Antwort, 
die mich hätt retten können. 
Mit Tränen in den Augen stand ich da, 
und dacht daran mich zu verstecken. 

So blieb ich fortan stets zu Haus, 
wenn ich dann von der Schule kam. 
Spielte nur noch drinnen, für mich ganz allein. 
Am Abend deckte ich den Tisch,
und kochte Wasser für den Tee. 

Als dann die Eltern kamen von der Arbeit Heim, 
da aßen wir zu Abend. 
Und war der Abend dann vorbei, 
dann ging ich leise schlafen. 

Noch lange lag ich wach im Bette, 
hab über alles nachgedacht. 
Als dann die Tür wurd leise auf gemacht. 
Im Flurlichtschein sah ich die Mutter, 
sie schlich sich leis ins Zimmer rein. 

Sie beugte sich kurz über mich,
ich spürte ihren zarten Kuss, 
direkt auf dem Gesicht. 
Auch ihre warme Hand, 
die über meine Wange strich. 
Die Bettdecke noch zurecht gezupft, 
verließ sie still den Raum. 

Tief drin in meinem Herzen klein, 
hab ich es dann verstanden. 
Noch heut vermiss ich sie, ganz sehr, 
die doch so schönen alten Zeiten. 
Denn fort gegangen sind die Eltern,
das ist schon jetzt, zehn Jahre her. 

Als Kind kann man nicht leicht verstehen, 
worum´s im Leben geht. 
Und hat man es dann doch verstanden, 
ist´s leider oft zu spät. 

So war ich Kind, bin heut ein Mann. 
Doch heute noch, an manchen Tagen, 
da wird ein Kind aus diesem Mann. 
Dann hol ich mir, Gedanken aus der Ferne, 
in die Erinnerung zurück. 
Und auch den Sand vom Strand, 
in Schuhen und in Hosentaschen. 
Ein kleines Stück,
vom großen Kinderglück.

Zum guten Ende, muss ich sagen,
mit meinen Eltern,
hatte ich, ganz großes Glück.


Thomas-Otto Heiden

 

 

 

 

 

 

 

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