Ingo R. Hesse

Damals vor Nazareth

Ich stelle mir jetzt einmal vor,

Wie nachts zur kalten Winterszeit,

Der See Genezareth zu Eis gefror,

Der Nahe Osten tief verschneit.

 

Drei Könige in Fell gemummelt,

Der Schlitten vom Kamel gezogen,

Wo Kinder sich im Schnee getummelt,

Wohl unter buntem Lichterbogen.

 

Der Weihrauch kalt und Myrrhe frisch,

Der Weg vom Eise ziemlich glatt.

Das Gold auch für den Gabentisch

Vom Raureif kalt und etwas matt.

 

Und überall an all den Fichten

Bunte Kugeln wohl aus Glas.

Die Luft geschwängert von Gedichten

Der Kutscher geht galant vom Gas.

 

Ein Glühweinstand am Wegesrand,

Lädt Weise und auch Andere ein,

Wie gut dass er hierher schon fand,

So gönnt er sich den warmen Wein.

 

Der Stern am Himmel bleibt kurz stehen,

Und leuchtet auf den Bratwurstgrill.

Den kann der Kutscher jetzt auch sehen.

Ein König schimpft, der weiter will.

 

Doch bleibt der Kutscher boshaft stur,

Und prostet dem Kamel jetzt zu.

Er will doch eine Bratwurst nur,

Und dann auch etwas Senf dazu.

 

Zwei Kinder laut in Schneeballschlacht,

Sind ziemlich nah bei dem Kamel,

Das einen Schritt zur Seite macht,

Und tritt mit einem Huf jetzt fehl.

 

Ein Schneeball fliegt ihm ans Gehänge,

Worauf es scheuend in die Höhe steigt,

Und als vor der verdutzten Menge

Sein Unterleib nach oben zeigt.

 

Drei Könige bisher sehr leise,

Die polternd von der Kutsche fallen,

Sind im Moment so gar nicht weise,

Als sie hart auf den Eisweg knallen.

 

In dem Moment hör‘ ich von ferne,

Ein Glöcklein fein mit süß‘ Geläut,

Und weg sind Schnee und all die Sterne

Was mich jedoch nur wenig freut.

 

Mein Telefon holt mich zurück,

Als Gold dort auf den Gehsteig fiel!

Im Traum gibt es manch Missgeschick,

Doch dieses hier, das ist zu viel!

 

 

 

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