Jürgen Wagner

DER GINKGO

 

Man pflanzte ihn als Tempelbaum,

den Ahn uralter Zeiten

voll Weisheit, Heilkraft, Resistenz

Sogar in uns'ren Breiten

 

grünt er an Straßen, blüht in Parks,

kann 1000 Jahr erreichen

Den Alten gibt er Kraft im Geist,

der Freundschaft Liebeszeichen

 

mit kleinen Fächern eingekerbt

Und hast du noch Beschwerden,

so hör die Blätter leis im Wind,

die reines Blattgold werden

 

 

 

Ein Baum besiegt die Zeit 

Der Ginko war schon im Erdmittelalter verbreitet vor 250 Millionen Jahren, in der Zeit der Dinosaurier. Er ist ein lebendes Fossil. Die meisten seiner Arten starben zwar in den folgenden Eiszeiten aus, aber eine Art überlebte: der Ginkgo biloba. In den entlegenen Bergtälern er chinesischen Provinz Sichuan überlebte er. Er wächst heute nur in zwei kleinen chinesischen Provinzen noch wild, wo im Tian Mu Shun-Reservat die ältesten Ginkgos weltweit zu finden sind.

Alle anderen Bäume, selbst die Ginkgo-Veteranen, sind von Menschenhand vermehrt worden. Außerdem findet durch die Vorliebe für männliche Bäume, deren Blüten nicht so unangenehm riechen, eine generative Vermehrung nur noch selten auf natürliche Weise statt.

Bis vor ca. 30 Millionen Jahren war der Ginkgo vor den großen Eiszeiten auch bei uns in Europa heimisch, wo er vor allem im Gebiet des heutigen Frankfurt vertreten war. Im Londoner Becken bildete er vor 30 Millionen Jahren noch ausgedehnte Wälder. 1727 wurde er wieder nach Europa zurückgebracht, im Botanischen Garten von Utrecht gepflanzt und fand seitdem vor allem in Parkanlagen Verwendung. Sein Name stammt ursprünglich vom chinesischen Wort "ginkyo", das übersetzt Silberaprikose heißt: ein Hinweis auf die silbrig schimmernden Samenanlagen.

Immun gegen viele Weisen der Aggression

Der Ginkgo hat eine hohe Resistenz gegenüber Bakterien, Viren und Krankheiten. Für Pilze und Pflanzenfresser ist er durch einen wachsartigen Stoff und hohen Säuregrad in den Blättern praktisch immun. Selbst die Abgase und Luftverschmutzungen unserer Städte können ihm wenig anhaben. Blätter, Holz und Wurzeln sind für fast alle Insekten mehr oder weniger toxisch. Nur die Jungpflanzen sind sehr empfindlich und gegen Fraßfeinde noch ungeschützt. In Hiroshima hat er sogar die radioaktive Strahlung der Atombombe überlebt.

Berühmte Heilpflanze

Besonders in Südostasien können wir von einem Ginkgo-Kult sprechen. Man pflanzte ihn mit Vorliebe in Tempeln. Er ist als Heilpflanze im asiatischen Lebenskreis so fest verwurzelt wie Kamille oder Knoblauch in Europa. Mit der Verbreitung der traditionellen asiatischen Heilmedizin in Europa wurde der Ginkgo zur Entwicklung spezieller Medikamente auch bei uns bedeutsamer. Altersbedingte Gedächtnisschwierigkeiten werden auf diesem Wege gemindert. Auch bei Tinnitus wird Ginkgo eingesetzt.

Schönheit und Liebe

Aufgrund seiner Stärke und seiner Schönheit erfreut sich der Ginkgo vor allem in Asien seit jeher einer nahezu mythischen Verehrung. Und seit der Moderne ist der Baum auch in Europa in vielerlei Hinsicht von Interesse. Mit seinem Gedicht 'Ginkgo biloba' von 1815 gab ihm Goethe auch hierzulande die Ehre.

Die Ginkgoblätter, die sich im Laufe von Jahrmillionen von feingabligen, nadelgleichen zu den bekannten zweigeteilten, fächrigen Blättern entwickelten, trugen auch zur Symbolik bei: sie stehen für Yin und Yang, für Harmonie und Ausgleich, für Liebe und Freundschaft.

Ausgestattet mit perfekten Überlebensstrategien, durchpulst von sensibler Kraft und von ästhetischer Schönheit, beeindruckt und fasziniert er weltweit die Menschen. Er inspirierte Schmuckhersteller, Botaniker, Künstler.

 

Bild: Ginkgo im Herbstkleid im Hohenheimer Park Plieningen

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 13.11.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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