Patrick Rabe

Stimmungslagen

 

Überall in unserem Land mieft die Hundescheiße herum.

Man kann ihr gar nicht mehr entkommen.

Auf Straßen und Plätzen stinkt es nach der braunen Kacke.

Und alle sagen: "Man muss doch kulant zu Vierbeinern und ihren Haltern sein!"

Oder "Diese Hundis sind doch sooooo süß!"

Dass Hunde und Katzen nicht in die Städte gehören,

Tierhaltung nie artgerecht sein kann,

und dass Nachbars Wuffi

eigentlich beißen, reißen, Knochen brechen und Blut saufen will...

wen interessiert's.

Manch einer wurde schon gebissen.

Es mehren sich Stimmen, die von Kampfhundattacken

gegen Menschen sprechen.

Da endlich reagiert die Politik.

Sie registriert, dass Hundescheiße stinkt,

und fordert die Hundehalter auf,

immer Tütchen auf den Spaziergang mitzunehmen,

in die man die Kacke klauben kann.

Natürlich ist das freiwillig.

Merkel lehnt sich entspannt zurück.

Problem gelöst.

Aber jetzt werden die Hundehalter renitent.

"Was? Mein Wuffi darf nicht mehr auf die Straße kacken?

Wo kommen wir denn da hin?

Soll ich ihm etwa ein Katzenklo kaufen?"

Und jetzt kaufen sich die Hundefans erst recht total überzüchtete Kampfhunde,

denen sie jeden Abend noch eine saftige Spritze

Testostoron mit LSD vermischt

in den Arsch hauen

und dann ohne Leine mit ihnen auf die Straße gehen.

Grimmig hetzen sie ihre kleinen Lieblinge

auf ängstliche Kinder,

auf Frauen mit langen Röcken,

auf vernunftsbegabte Menschen, die in der Stadt keine Tiere halten,

und auf jene, die den Gestank in den Städten

ihrer Meinung nach erzeugen.

Dunkelhäutige Menschen,

Schwule,

Lesben,

Burkaträgerinnen,

Bartträger,

Langhaarige,

Batikhemd-Hippies,

Punks,

Linksautonome,

Juden.

 

Da fangen die Kirchen an zu läuten.

Sturm.

Und alles sammelt sich unter den Dächern

dieser letzten sicheren Häuser.

 

Draußen ist es dunkel.

Ein Mann mit schwarzem Seitenscheitel

und einem Bärtchen wie einem Tintenfleck auf der Oberlippe

geht seelenruhig, in einen Trenchcoat gewandet

durch die ruhigen Straßen der Vorstadt

und murmelt: "Mh, ach, die Hunde sind zur Zeit das Feindbild.

Naja. Feindbilder kommen und gehen."

Da sieht er eine alte Synagoge,

in der ebenfalls noch Licht brennt.

Der siebenarmige Leuchter im Fenster

erfüllt den alten Mann mit Glück

und er verdrückt ein Tränchen.

Dann zieht er eine Kippa aus der Tasche.

Wendet sie in den Händen.

Überlegt.

Steckt sie wieder ein.

Klopft an die Tür.

Demütig und vorsichtig wie ein Dieb in der Nacht es nie machen würde.

Der Rabbiner öffnet die Tür.

"Frohes Hanunkka!" ruft er dem Ankömmling zu.

Der Alte seufzt, lüftet den Seitenscheitel,

nimmt den falschen Bart ab,

geht hinein

und wird mit Hallo begrüßt.

 

Donald Trump sitzt besoffen vor Youtube

und entspannt sich

von der Twitterarie mit Kim Yong Un.

Es läuft "Land of Confusion".

Als am Ende des Videos Ronald Reagan auf den roten Atomknopf drückt,

lacht Donald laut und schallend.

"Dieser Doofkopp! Weiß doch jeder, dass der grün ist!"

 

 

Patrick Rabe, 18. November 2019, Hamburg.

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen

 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Patrick Rabe).
Der Beitrag wurde von Patrick Rabe auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 18.11.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

Der Autor:

Buch von Patrick Rabe:

cover

Gottes Zelt: Glaubens- und Liebesgedichte von Patrick Rabe



Die Glaubens-und Liebesgedichte von Patrick Rabe sind mutig, innig, streitbar, vertrauens- und humorvoll, sie klammern auch Zweifel, Anfechtungen und Prüfungen nicht aus, stellen manchmal gewohnte Glaubensmuster auf den Kopf und eröffnen dem Leser den weiten Raum Gottes. Tief und kathartisch sind seine Gedichte von Tod und seelischer Wiederauferstehung, es finden sich Poeme der Suche, des Trostes, der Klage und der Freude. Abgerundet wird das Buch von einigen ungewöhnlichen theologischen Betrachtungen. Kein Happy-Clappy-Lobpreis, sondern ein Buch mit Ecken und Kanten, das einen Blick aufs Christentum eröffnet, der fern konservativer Traditionen liegt.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (0)


Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Gesellschaftskritisches" (Gedichte)

Weitere Beiträge von Patrick Rabe

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Halloween von Patrick Rabe (Absurd)
Ein Sprung im Spiegel der Realität..... von Gabriele A. (Gesellschaftskritisches)
Pampersliga WM 2006 von Karin Schmitz (Humor - Zum Schmunzeln)