Andreas Vierk

Sonnenuntergang



 

Wer hat dir deine Arme amputiert?
Die goldnen, die so hoch erhoben waren,
sind auf dem Bahnsteig Fraß von grauen Scharen.
Wie eine Seele ihre Scham verliert,

so fielen deine milchgespülten Schwingen.
Noch bist du Fackelbrand und heiße Wut
und folterst dich noch selbst in deiner Glut,
bevor dein Mund verlernt, sein Lied zu singen.

Bleib noch! Ich will von deinen Strahlen essen,
von Frucht und Süße, die noch aus dir fließen,
bis du für immer in die Asche stürzt.

Der Tag, senil, hat schon sich selbst vergessen.
Wann darf ich, du Geliebte, uns erschießen,
damit sich unsre Sterbenszeit verkürzt?




 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 26.11.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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Andreas Vierk schreibt seit seinem zehnten Lebensjahr Prosa und Lyrik. Er verfasste die meisten der Gedichte des „Septemberstrands“ in den Jahren 2013 und 2014.

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