Karl-Konrad Knooshood

Siehe, dort stand...

 

Blick', dort stand,

der Schreibtisch im Büro,

schau, dort befand,

sich die Heizung, das Flipboard,

das Schwarze Brett,

hier verlegt: das Parkett,

und da hinten der "diskrete Ort",

 

Hier war das Land,

der Zaun ums Gemüsebeet,

dort im Hintergrundband,

man die Gestecke unterm Reet*,           *Reetdach

da dann der Geländerand,

wo ich meine er die große Liebe fand,

doch abhand', abhold kam's, steht,

nun woanders oder nirgends,

nun, da alles Weitersein obsolet,

blickt man statt auf Aktengebirge,

und aufs Faxgerät,

die ranzigen Flecke und Schimmelschmirgel,

 

Da, dort, hier, hinter, neben, auf, unter,

lief das Leben einst so munter,

doch das war einmal,

schal fiel alles dem Verfall,

zum Opfer, ohne Exzeption,

Leere bleibt im grauen Monoton,

 

Vorm inneren Auge, in Imagination,

erschafft die Phantasie es neu,

füllt die Seele mit Reu',

trauriger Resignation,

 

Die Vergangenheit muss im Neuen ruh'n,

sie hat mit der Gegenwart nichts,

nur jede Menge Buße zu tun,

ihr Angesicht verblich, ein Schlussstrich,

zieht sich unter ihr,

- "Alles hat seine Zeit", sagen die Auguren,

auch die Philosophen,

das Kommende in seiner Gier,

frisst des Alten letzte Spuren,

- weitergeht das Leben…



(27.10.2019)



Als ich eine Doku sah, über die alten staatseigenen Betriebe im ehemaligen DDR-Staat, da die Leute in
Erinnerungen schwelgten, wo was stand, was da mal war, wer wo was...Immer wieder schön. Nostalgie ist
nicht nur Ostalgie.
Karl-Konrad Knooshood, Anmerkung zum Gedicht

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