Michael Hahn

Osterspaziergang anno 1985

Von Fischen befreit sind Strom und Bäche

durch der Abflußrohre giftigen Schlick;

der Wald verschwindet Stück um Stück.

Die Industrie erscheint auf der Fläche

und vergrößert sich mit viel Geschick.

Werbung sendet sie ständig und stur;

ohnmächtige Schauer, entsetztes Fragen

im Menschen, angesichts der zerstörten Natur.

 

Aber die Wirtschaft duldet kein Klagen,

überall regt sich Gewinnsucht und Streben,

alles will sie mit Firmen beleben,

doch an Arbeit fehlt’s im Revier,

man nimmt moderne Roboter dafür.

 

Doch kehren wir um, um nun zu sehen

nach den Menschen, die dort ihrer Gewohnheit nachgehen.

Diesen hohlen, feisten Toren

dringt Selbstgefälligkeit aus allen Poren.

Darin sonnen sie sich gern

und feiern den Wohlstand, ihren Herrn.

 

Doch Wohlstand wird nicht wohlverstanden,

Konsumgier herrschet hierzulanden,

der Lebenstil wird nicht hinterfragt,

den Moden und Trends hinterhergejagt

und streng befolgt die Sitten und Zwänge.

Denn Recht hat stets des Volkes Macht,

drum mitgemacht und nicht nachgedacht.

 

Sieh nur, sieh, wie gedankenlos die Menge

all die Wälder und Felder verdreckt,

wie der Fluß in Breit und Länge,

so manche Wegwerfpackung trägt,

und bis zum Stinken überladen

ist bei uns auch die Autobahn,

selbst von des Südens fernen Pfaden

blinken uns blecherne Autostaus an.

 

Ich höre schon das Feriengetümmel,

das ist des Volkes wahrer Himmel.

Zufrieden jauchzt man außer Haus:

„Hier bin ich Tourist, hier nimmt man mich aus”.

 

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