Brigitte Waldner

Man wünschte sich vom Christkind


Man wünschte sich ein Schaukelpferd
vom Christkind als man klein war,
in Weiß mit schwarzen Hufen
am Halse mit zwei Griffen
und unten roten Bögen.

Als dann die Stadt recht weihnachtlich
und festlich dekoriert war,
ging man mit Mutter schauen.
Sie fragte nach den Wünschen,
es fehlten noch die Worte.

Sie zeigte auf ein Schaufenster
zur Puppe mit den Locken,
sie hatte ihr gefallen.
Die brachte dann das Christkind
samt Reh, ein selbstgenähtes.

Man sah das schöne Schaukelpferd
und blieb davor auch stehen.
Da sprach die liebe Mutter:
„Das Christkind kann’s nicht kaufen,
es hat nicht so viel Geld.“

Man war ein sehr bescheidenes
und rücksichtsvolles Kleinkind,
es wurde nicht gebettelt.
Die Mutter sah man selten,
sie arbeitete auswärts.

Man wünschte sich vom Christkindlein
ein Schaukelpferd vergeblich.
Man hatte es verschwiegen.
Obwohl sie gut beschenkten,
war Weihnachten enttäuschend.

Man freute sich auf Weihnachten,
so lange man noch klein war,
dass man sich gern erinnerte.
Die Mutter lag im Sterben
als man es ihr erzählte.

„Du hättest es aus Lärchenholz
als Opas Werk bekommen“,
bedauerte die Mutter
mit fünfundsiebzig Jahren.
„Warum hast du es nicht gesagt?“

Als sie die Wünsche nachträglich
dem großen Kind erfüllte,
mit allerliebsten Worten,
fand es sich selbst ein Schaukelpferd
als weihnachtliche Deko.

© Text und Foto: Brigitte Waldner


 

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