Michael Waldow
Der alte Mann
Er hatte gelesen und wusste sehr viel,
über die Frauen und dem Liebesspiel,
er wandte es an, bemühte sich redlich,
hörte auf, wenn sie sagte, es geht nicht,
er suchte die Stellen auf ihrer Haut,
die sie schreien ließen ganz laut,
er liebte den Spaß, liebte die Frau
kannte alles an ihr genau,
kannte die Härchen, die Falten und jeden Punkt,
brachte sie zum Wallen, fand zärtliches Rund,
suchte die Sinne, fand ihr sanftes Stöhnen,
gab ihr Gefühl bis zum höchsten verwöhnen
und plötzlich brach Stille herein,
plötzlich waren die Körper zu Stein.
Die sanften Hügel zogen sich zurück,
es brach entzwei jedes Glück
Und die Wollust verkam im Schreien,
sie konnte nicht verzeihen.
So stumpfte er ganz sonderbar ab,
machte in der Liebe schlapp
und vergaß den Spaß seiner Zeit,
war nicht mehr für sie bereit.
Er lag im Sterben, blickte auf sein Leben
mit einem Bild in seiner Hand,
drauf eine Frau, von niemanden erkannt,
es fragte jemand: Nun, war sie wohl fein?
Erinnerst du dich an ihre Haut,
so wie sie dich beschaut.
Oh ja, flüstert er, sie war ein Saphir,
ihre Haut fühlt sich an wie Fotopapier,
und er rieb sanft mit den Fingern das Bild
und lächelte mild.
sein Leben war sehr trist und grau.
So starb der Mann einstmals begehrt,
als Liebhaber nun gar nichts wert. Vorheriger TitelNächster Titel
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 16.12.2019.
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