Patrick Rabe

Hinterm Baum zum Pinkeln gehen

Hinterm Baum zum Pinkeln gehen

 und Jesus, Jahwe, Götter von oben, unten, hinten, vorne, und daneben

 und den eigenen Schatten treffen

 

"Hermann Hesse war ein Jugend-und Modeschriftsteller.

Da interessiert sich keiner mehr für".

Nur gespielt siegesgewiss,

mit kaum wahrnehmbaren,

ängstlichen Beben des Schnurrbartes

intoniert dies der christliche Spießer,

heimlich zitternd vor der Auferstehung der Toten

und der Möglichkeit,

dass Hesse hinter einem Baum hervorspringt

und ihn, die Internationale pfeifend

mit dem Messer massakriert.

Oder, noch schlimmer:

Er singt dabei laut

"Hallelujah"

von Leonard Cohen,

Händel

oder

Rabbi Süß.

 

Niemand sollte je sagen:

"Das ist out of date,

überwunden

und kommt nie wieder."

Auch der Linke,

der dem Kapitalismus sein Grab geschaufelt hat

und sein Vermögen lachend hinein geworfen hat,

kann am selben Baum

von einem wutschnaubenden Adolf Hitler

abgestochen werden

zum schönen Lied

"Ich reiß dir die Gedärme raus

und hänge sie ans Hofbräuhaus!"
 

 

Die neue Welt kommt.

Mit jedem Tag ein bisschen mehr.

Lebt, so lange ihr könnt,

liebt, so viel ihr vermögt,

vergebt, so vielen ihr könnt.

 

Wem nicht vergeben wurde,

wenn er misslich stirbt,

wird am jüngsten Tag

einen heiden juden christen atheisten Rochus

haben.

 

Bäume werden schon wieder gepflanzt.

Messerhersteller haben Konjunktur.

Schmelzt Schwerter zu Pflugscharen

und Messer zu Löffeln,

bevor ihr sie abgeben müsst.

 

 

© by Patrick Rabe, 6. Januar 2020, Hamburg.

 

Das biblische Wort "Götze" bezeichnet übrigens nur die Götter anderer Völker (außer Jahwe), nicht, wie es die spätere Tradition formulierte, auch Idole aus Funk, Film und Fernsehen, Geld, Reisen, Besitz oder gutes Essen. Wären das alles Götzen, könnten wir ja gleich zu Brot und Wasser in den Knast gehen.

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