Gabriele Förster-Wöbke

Häusliches Theater

 

Es gibt zuhause stets Theater,
komm' ich nach Tagen endlich heim.
Mich plagt dabei ja nie ein Kater,
doch meine Frau macht sich 'nen Reim:

Wo bist du nur so lang' gewesen?
Geschäftlich? - Ich glaub' dir kein Wort.
Dein Chef zahlt alles dir auf Spesen?
Mit Übernachtung in dem Nachbarort?“

Dabei hab' ich sie nie betrogen:
Gedanklich war ich nur bei ihr.
Ich habe sie auch nie belogen:
Kein Weib stand je vor meiner Tür.

Sie glaubt, ich hätt' 'was mit Babette,
die in dem Nachbarorte wohnt.
Sehr offen sei sie, diese „nette“,
kein Mann blieb je von ihr verschont.

Doch plötzlich nun, seit ein paar Tagen,
ich weiß nicht, wie ich 's sagen soll,
- es schlägt mir fast schon auf den Magen -
ist meine Frau so richtig toll:

Ganz lieblich, anschmiegsam und willig,
von Eifersucht ist keine Spur.
Nicht wie Babette, nicht so billig.
Da frag' ich mich, was hat sie nur?

Sie schwärmt, es hätt' ein neuer Schlachter*
eröffnet, neulich, vis-a-vis.
Sehr freundlich, voller Grübchen lacht er,
sein Fleisch sei ganz ohne Chemie.

Auch hätt' er sehr geschickte Hände,
die zärtlich formen jede Wurst.
Die Fleischeslust nähme kein Ende,
schon das Zusehen mache Durst.

Jetzt sitze ich hier schon seit Stunden
und warte, dass sie kommt nach Haus'.
Beim Einkauf dreht sie ihre Runden
und lässt den Schlachter niemals aus.

Dann endlich steht sie vor der Türe,
die Wangen rosig aufgeregt.
Ich frag' sie, ob sie noch 'was spüre,
wieso nur käme sie so spät?

Ihr Einkaufskorb gleicht einer Feder,
darin ist gar nichts für den Durst:
Ein volles Portemonnaie aus Leder,
vom Schlachter eine lange Wurst.

Sie sagt, sie hat mich nicht betrogen:
Gedanklich war sie nur bei mir.
Auch hat sie mich nicht angelogen:
Kein Kerl stand je vor ihrer Tür.

Was interessiert mich denn Babette?
Marie oder die Adelheid,
sie wärmten mir doch nur das Bette.
Ich war da wohl nicht sehr gescheit.

 

© 2020 Gabriele Förster-Wöbke

 

*) Metzger, Fleischer

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