Patrick Rabe

Dimensionen der Wandlung und der Gestank von guten Taten

 

1. Fülle

 

Du folgtest dem Stern, und du folgtest der Sonne,

du trankst wilder Liebe genussvolle Wonne,

Deine erste Liebe blieb nicht deine letzte,

was die Größte von allen leider sehr unterschätzte.

Ihr hast du dich versprochen unter schneeweißen Tauben,

und es perlten die Wunder, wie beim heiligsten Glauben.

Und erst, als sie ging, folgtest du deinem Gott,

er ließ dich aufersteh'n, füllte auf, was bankrott.

 

2. Transzendenz

 

Als alles zu Rauch wurde, wuchs dein Bart,

du kehrtest wieder, jetzt weich, statt hart,

du sangst von der Buße, der Begegnung mit Gott,

von der Angst, ihn zu töten, von dem Liebesgebot.

Von der Freude, als dein Schatz dir lief in den Arm,

und dich rettete mit ihren Küssen so warm.

Alle freuten sich mit, denn es sah jedes Kind,

dass du und ich, wir beide Liebende sind.

 

3.  Das Gefängnis

 

"Rauche und trinke, spiel und vergnüg dich,

fall immer tiefer, das ist bei uns üblich,

was herrschst du uns an, jetzt bist du unsre Nutte,

vergeh dich am Heiland und küsse die Putte,

wir schieben sie dir dann rektal in den Hintern,

die Hölle ist kalt, willst du drin überwintern?

Die Hölle ist warm und die Obstbäume blüh'n,

doch voll Schreckensgestalten, niemand weiß mehr, wohin.

Hast du denn vergessen, dass du Licht für uns warst,

dass du alles Gute dort schufst und gebarst?

Das darfst du aus falschem Stolz niemals wegwischen,

sie wollten sie töten, und du gingst dazwischen.

Sie schlugen dich tot, und sie ward gerettet,

danach wurdest du völlig zu recht sanft gebettet.

Und ein Taumeln erfasst Himmel, Hölle und Erde

und du siehst sie an, als ob Weihnachten werde,

doch für sie ist es jetzt die Erfahrung von Ostern,

so ein zartes Geschenk, wenn man aus diesem Schoß kann,

aus der Erde, dem Körper, der lang schon verwest,

doch es martern die Zeilen ihn, wenn ihr das lest.

Denn was ihr auch glaubt, er blieb immer am Leben,

er soff sich nicht tot, er beschützte die Reben,

während spinnengleich immer der Verräter entwich,

und Lästerung tratschend durch die Medien schlich.

Wenn alles denn eins sein soll, jeder erwählt,

warum habt ihr das Eheding falsch ihm erzählt?

Wie lange ist Christi Leib schon so zerbrochen,

dass die Worte des Heilands haben Inder gesprochen,

die sich Khan nannten,  "König", nachdem Dschingis verblich,

während Jesus ganz kronenlos, hutlos entwich,

und hilflos dort weinte, als Roxana erhängt,

und den stammelnden Ärzten noch Vergebung geschenkt,

während sie dort schon schielten auf die Sünder und Huren,

mit denen er weinte, und sie stellten die Uhren,

nach dem Datum des Alters, den er hatte am Kreuz,

33. Man weiß es. Alte Nazis erfreut's.

Denn sie können jetzt ihr Alter ungehemmt dehnen,

ohne Logik und Sterbekonsil zu erwähnen,

sich verbrüdern mit DVU und NPD

und vorm Bluescreen sich reinwaschen als AfD.

Lebende, Tote, und lebende Tote

spotten jeder Verfassung, jedem heil'gen Gebote.

Aber wer das schon weiß, der verneig' sich vor Gott,

und wähn sich nicht sehend und berechtigt zum Spott,

denn er ist zerrissen, zerbrochen, zerschmettert

und rettet noch immer viel mehr, als er wettert.

 

*

Epilog

 

Zerbrochen bin ich, und ich riech ungesund,

Und Hitler bellt mir sein Tourette aus dem Mund,

dass Passanten mich meiden und mir Hausverbot folgt,

und mir Dinge nachrufen, wie "Der Rabe, er kolkt!",

Polizisten und Richter auf dem Hochzeitsfest tanzen,

und die Schatten von Freunden mir die Wohnung verwanzen.

Aber Zäcken bricht er mir niemals aus der Krone,

denn ich weiß, wer ich bin, und ich weiß, wo ich wohne.

Und die Sonne, die ICH schütz, bis sie aufgehen mag,

kennt Lieder, die mir retten die Nacht und den Tag.

 

 

***

Dieses Gedicht ist für meine verstorbene Freundin Roxana Coles
und ihre Eltern Roswitha Rösch und Mike Coles, der auch bereits verstorben ist,  sowie für ihre Geschwister und Freunde.

Für mich gibt es keinen Tod.
Dennoch haben die letzten Jahre auch mein Glaubens-und Lebensgebäude arg erschüttert.

 

Ich hoffe auf die Gnade Jesu Christi

 

"Liebe, liebe Sonne, komm zu Mama!

Liebe, liebe Sonne, komm zu Papa!

Liebe, liebe Sonne, komm zu Oma!

Liebe, liebe Sonne, komm zu Opa!

Liebe, liebe Sonne, komm zu Patrick!"

 

Das hat meine liebe Mama für mich gesungen, als ich klein war, und ich habe das Lied für alle meine Liebsten weitergesungen.

 

 

© by Patrick Rabe, 12. Februar 2020, Hamburg.

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Die Glaubens-und Liebesgedichte von Patrick Rabe sind mutig, innig, streitbar, vertrauens- und humorvoll, sie klammern auch Zweifel, Anfechtungen und Prüfungen nicht aus, stellen manchmal gewohnte Glaubensmuster auf den Kopf und eröffnen dem Leser den weiten Raum Gottes. Tief und kathartisch sind seine Gedichte von Tod und seelischer Wiederauferstehung, es finden sich Poeme der Suche, des Trostes, der Klage und der Freude. Abgerundet wird das Buch von einigen ungewöhnlichen theologischen Betrachtungen. Kein Happy-Clappy-Lobpreis, sondern ein Buch mit Ecken und Kanten, das einen Blick aufs Christentum eröffnet, der fern konservativer Traditionen liegt.

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