Brigitte Waldner

Der sterbende Hund



Er liegt am Boden und ringt mit dem Tod,
er hechelt nicht mehr den ganzen Tag,
ein Anblick, der sich seit Wochen schon bot,
erbarmungswürdig, wie er da lag.

Sein Körper streckt sich am Teppich entlang,
riecht übel vom Maul, wie nach demTod.
Das Schlagen, das aus dem Herzen drang,
wird härter und schneller. Versagen droht.

Drei Tage noch leben, bald ist es geschafft,
ins Hundebett legt er sich selber nicht mehr.
Beim Trinken vom Napf verlässt ihn die Kraft,
er schleppt sich zum Baum und atmet schwer,

kommt wieder ins Haus und legt sich hin,
den Tod erwartend in nahender Zeit,
von Krankheit geplagt, mit Medizin
versorgt in Liebe mit Dank an die Zeit

für Schutz und Bewachen bei Tag und Nacht.
Er lässt sich behandeln und wehrt sich nicht.
Einst war er kräftig, mit Schönheit bedacht,
zuletzt ist er knochig, verlor an Gewicht.

Man steht vor dem Hund und streichelt sein Fell,
man schlägt Therapien, die sinnlos sind, aus.
Er kann nichts mehr sehen, nur dunkel und hell,
man zögert nicht gern sein Leiden hinaus.

Das Schlagen, das man am Herzen spürt,
wird weicher und langsam und flacher und schwach,
am Morgen steht man zu Tränen gerührt,
jetzt liegt er im Bettchen und wird nicht mehr wach.

Gepackt in ein Tuch trägt man ihn hinaus,
zur Einäscherung fährt man das Tier,
sein Todesgeruch durchdringt das Haus,
man reinigt und wäscht und lüftet hier.

Dann schaut man sich Hunde im Internet an,
man sucht einen Neuen, der so ist, wie er,
vergleicht mit dem Alten, man sieht aber dann,
man findet so einen, wie ihn, nicht mehr.

Text und Foto: © Brigitte Waldner


 

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