Hans Witteborg

Onkologie/Stimmungsbild

Onkologie /Stimmungsbild

 

Das galoppierende Elend scheint in dem Raum gefangen.

Neben den Behandlungssesseln spreizen Infusionsständer

ihre Rollen, fünffüßig

an ihren Stangenenden sind die Flaschen aufgehangen

aus denen stur, eintönig rinnt, was flüssig:

 

die Chemo,

 

die an dünnen Schläuchen tröpfchenweise-

in die Körper rinnt,

in Ports sowie am Zugang in den Armen,

derweil der eine oder andere Patient starr vor sich sinnt

und all die Tropfen zählt bis zum Erbarmen.

 

In jedem Stuhl erkennt man wie die Hoffnung kämpft

doch auch wie Angst auf längst verlore´nes Leben

still sich ausgebreitet

und so die Atmosphäre in dem Raume dämpft,

weil auch so mancher im Kopf sich auf das Schreckliche

schon vorbereitet.

 

Die Blicke einiger: starr zur Decke hin gerichtet.

Manch Auge aber bleibt geschlossen.

Man glaubt vielleicht, dass man die Krankheit so

nicht sichtet,

für alle gilt, die Stimmung bleibt verdrossen!

 

Da rafft sich jemand auf mit viel Humor,

erzählt der Krebsgesellschaft einen Witz.

 

Das kommt in diesem Raum bestimmt nicht häufig vor,

doch reißt es niemand aus dem Sitz.

 

Ein Mann bei einer Schlossbesichtigung fragt den Diener,

der die Gruppe führt:

Gibt es Gespenster hier?“ Doch der sagt ungerührt:

Ich bin seit 300 Jahren hier – nein, ein Gespenst

hab´ich noch niemals aufgespürt!“

 

Ich lache laut – kein anderer verzieht jedoch sein Gesicht.

Das Elend in dem Raum, es galoppiert noch immer,

da hilft kein Wort und der Humor auch nicht.

Vielleicht hat man den Witz beim Egotrip auch

nicht verstanden –

das macht die Sache dann noch schlimmer!

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 19.02.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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Vom Ufer aus von Hans Witteborg



Die Gedichte begleiten durch die vier Jahreszeiten und erzählen wie die Natur erwacht, blüht und welkt, wissen von reicher Ernte zu berichten. Der Spätsommer im Park, winterliche Gefilde oder Mailandschaften scheinen auf. Der Autor verwendet meist gereimte Zeilen, zeigt sich als Suchender, der neues Terrain entdecken möchte. Der Band spricht von den Zeiten der Liebe, zeigt enttäuschte Hoffnungen und die Spur der Einsamkeit. Wut und Trauer werden nicht ausgespart. Es dreht sich das Kaleidoskop der Emotionen. Der kritische Blick auf die Gesellschaft und sich selbst kommt zum Zuge. Kassandras Rufe sind zu hören. Zu guter Letzt würzt ein Kapitel Humor und Satire. So nimmt der Autor seine Zettelwirtschaft aufs Korn, ein hoffnungsloser Fall.

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