Olga Hazelwood

Umbruch

Du sagtest mir es muss so sein.
Ich wollte nicht weg, ich dachte er bleibt allein.
Ich klammerte mich an sein Bein, 
​​​​​​ich wollte in dem Moment nochmal bei ihm sein.
Ich wusste damals noch nicht dass ich dich bestimmt 27 Jahre nicht sehe,
war zu klein um das zu verstehen.
Du allerdings, du wusstest das,
warst du deswegen so abweisend, es ist jetzt egal, unsere Beziehung war in diesem Moment schon vorbei.

Ich musste zum Flughafen, alles war fremd,
ich hielt die Hand meiner Mutter,
ich verließ alles was ich kannte,
es war eine andere Zeit,
nicht mal ein Stofftier war damals in meiner Hand. 
​​​​​Viele Menschen weinten als sie uns verabschiedeten, ich hatte keine Ahnung warum,
würde ich sie denn nicht wiedersehen?
Wir warteten ewig auf unseren Flug,
ich schlief auf Metallbänken im Neonlicht,
das Flugzeug startete nicht.
Ein weiterer Tag verging bis die Reise tatsächlich anfing.
Der Flug dauerte ewig, die Plätze waren eng,
meine Mutter ermahnte mich, 
selber ängstlich aber streng. 
Ich wachte auf, in den Armen meines Bruders, 
schon wieder ein Flughafen,
so viele Fremde, die Reise ging weiter,
es nahm einfach kein Ende.
Wir stiegen aus dem Flugzeug, 
hier war es tiefe Nacht.
Es gab so viele Lichter,
nie hätte ich mir sowas ausgedacht.

Lichterketten, Sterne und Laternen 
rasten am Autofenster vorbei.
Wir mussten noch weiter,
keiner war zuständig für uns, mir war das einerlei. Unfreundliche Leute, jeder ist genervt,
die haben keine Betten, keine Decken,
das Baby schreit, Weihnachten ist nicht weit. Erwachsene diskutieren, lauter Türen, 
ein schmaler Gang,
ich will schlafen auch wenn ich nirgends kann.
Ich wins'le und jamm're,
meine Mama legt mich "hier auf die Jacke" 
auf den Boden hin.
Ich will so schlafen, aber ich habe Angst,
wenn ich aufwache bin ich dann alleine,
bist du dann noch da? 
Ich vertraue keinem das ist jetzt schon klar.

Das Ganze dauert schon Tage, ich bin völlig erschöpft. 
Endlich bekommen wir ein Zuhause auf Zeit,
die Hölle, zwei Zimmer, sechs Betten,
völlig verdreckter Teppich, ich will hier nur weg. 
Ich schlafe oben, denn ich habe Angst, 
vor den Kakerlaken -riesig und schwarz-.
Ich heule ich will zurück,
meine Mutter schreit mich an,
selber schon vor Sorgen verrückt.
Wir haben kein Pulver, das Baby brüllt, das Essen war falsch dosiert, sein Magen krampft wie verrückt.
Es ist das achte Stockwerk, der Aufzug kaputt.
Ich will am liebsten nur wieder an die frische Luft.
2020 

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen

 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Olga Hazelwood).
Der Beitrag wurde von Olga Hazelwood auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 25.02.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

Die Autorin:

Bücher unserer Autoren:

cover

Land des Lebens von Silke Burchartz



Worte nicht laut und doch verstanden
Nicht gehört, sondern gelesen
und dann auch behalten für die Ewigkeit

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (1)

Alle Kommentare anzeigen

Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Autobiografisches" (Gedichte)

Weitere Beiträge von Olga Hazelwood

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Es war der Horror persönlich von Wally Schmidt (Autobiografisches)
FRÜHLINGSBOTEN von Christine Wolny (Lebensfreude)