Liselotte Brand-Cerny

Ein leeres Blatt Papier 22.03.2020

Sie liebten es, auf den Flohmarkt zu gehen,
dort war viel Altes, und man konnte sehen,
dass manches früher als kostbar galt.
Es war geschnitzt, es war bemalt
und doch – es wollte niemand mehr,
es war zu alt, es machte nichts her.

Die Kommode hier, es ist nicht zu fassen,
sie könnte zum Kleiderstànder passen,
der schon von Grossmutter weggestellt.
So hat man es ihr zumindest erzählt.
Nun hatten sie das Schränkchen hier,
aber drinnen war nur ein Blatt Papier.

Da war nun das leere Blatt Papier.
Mal lag es dort, mal lag es hier,
denn niemand wollte es verwenden.
Man konnte es als Brief nicht senden.
Die Ränder waren nicht mehr schön
und trotzdem konnte jeder sehn,
dass es was ganz besond'res war.
Fühlte sich an wie feines Haar.

Und etwas, das man fast nicht glaubt -
es wurde sogar abgestaubt.
Es wurde hingelegt und aufgehoben,
wurde hin und her geschoben.
Es wurde ab und zu verlegt,
man suchte es dann unentwegt
bis man wieder es gefunden.
Doch dauerte es manchmal Stunden.

Und plötzlich hatte man es satt,
es drehte sich alles nur um das Blatt.
Nicht, dass man es wegwarf - weit gefehlt,
man hat sogar online einen Rahmen bestellt.
Einen schwarzen Rahmen wie Seide so glatt,
genau das Richtige für dieses Blatt.

Dann, eines Tages zog man um.
Und in dem ganzen drum herum
sind Blatt und Rahmen einfach verschwunden.
Auch das Kommödchen wurde nicht mehr gefunden.
 
Es sind ja nur Dinge, so sagte man sich -
doch man vermisste sie lange ganz fürchterlich.

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