Patrick Rabe

Dr. Mabuse

 

In den Tiefen sitzt Jesus in der Zelle,

bekritzelt weiße Blätter mit seinem Testament.

Herr Dr. Baum ist sein Betreuer,

er ringt um ihn, weil er ihn kennt.

 

Doch oben in Berlin, da tobt der Teufel,

die Menschen, unruhig, warten auf den Knall,

Kommissar Lohmann kämpft mutig gegen Zweifel,

ermittelt weiter in diesem kruden Fall.

 

Die Sonne hat 'ne glänzende Corona,

der Himmel, die Partei, die Nacht ist blau,

das Kreuz macht man mal links, mal rechts, mal gar nicht,

wer in der Mitte hängt, sieht oben eine Frau.

 

Sie sieht die Zeichen, doch wer soll sie deuten,

sie arbeitet akkord dagegen an,

ein Lenker lenkt, es bellen Hundemeuten,

wer ist der Böse? Vermutet wird ein Mann.

 

Zwei Liebende, sie kennen ein Geheimnis,

der Glaube rettet sie aus jeglicher Gefahr,

die Stadt sucht M., er schläft, wo Harry Lime ist,

die Liebe singt stets neu, nie, wie es war.

 

Ein Gaswerk steht des Nachts am Rand der City,

ein Mandelzweig blüht weiß im Frühlingswind,

das Wunder schauen off'ne freie Augen,

die anderen sind für dies Zeichen blind.

 

"Sie woll'n das Gaswerk sprengen! Lohmann, kommen!

Es ist Mabuse, er diktiert uns das!"

Lohmann springt in sein schnelles Auto,

ihm ist zwar mulmig, doch er drückt aufs Gas.

 

Und Dr. Baum tritt in die karge Zelle,

er weiß, dass man Mabuse falsch versteht,

"Sie hetzen, statt zu ruhen, jeder Welle

 laufen sie nach, solang es geht."

 

"Ach, Peterchen, sie seh'n den Feind nicht kommen,

sie feiern Partys noch auf dem Schafott,

und komm ich dann herein, zückt man die Waffe,

die Augen aber rufen: "Herr, mein Gott!"

 

 

 

© by Patrick Rabe, 24. April 2020, Hamburg.

 

 

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