Christina Gerlach-Schweitzer

Kein Hemingway

Kein Hemingway

Die Zuschauer erwartungsfroh.
Der Stier federt ins Rund der Arena.

Der Matador mit dem bunten Tuch.
Die Lanzenstecher auf Pferden.
Angriff, Ausweichen, Bewegung.
Nochmal ein Stoß des Stieres.
Das Pferd ist getroffen.
Die Reiter bohren von oben ihre Lanzen in seinen Nacken,
eisengespitzte Stöcke,
Zwanzig Zentimeter und tiefer dringen sie ein,
mit roher Gewalt, zerschneiden Muskeln und Sehnen,
damit der Stier den Kopf nicht mehr heben kann.
Zur Bestrafung.
Die Lunge des Stieres füllt sich mit Blut.
Blutmangel und Atemnot.
Dann hauen ihm Menschen bunte Stöcke ins Fleisch,
versehen mit Widerhaken aus Eisen,
neun Zentimeter lang.
Schaum spritzt, rotes Blut auf dem Fell,
Blut aus dem Maul.
Der Matador drängt ihn rückwärts,
gegen die Bande.
Tief hechelt der Stier und schwer,
das Maul weit geöffnet, die Zunge herausgestreckt,
die Lunge läuft voll.
Tanzmusik ertönt in der Arena.
Der goldene Mann tritt auf ihn zu,
bohrt seinen Degen tief in den Nacken,
Achtundachtzig Zentimeter,
so tief wie es geht.
Weitere Menschen stehen bei diesem Mann,
der Stier schaut sie an.
Bei jeder Bewegung des Kopfes
soll der Degen innen seine Organe zerschneiden.
Der Stier geht in die Knie.
Dann kippt er zur Seite.
Die Zuschauer johlen.
Die Beine des Stieres straucheln in der Luft.
Ein Mann stößt ihm noch einen Dolch in den Nacken.
Der Stier kann nicht mehr bewegen,
aber er sieht noch alles.
Ein Ohr wird ihm abgeschnitten,
er fühlt es noch.
Dann schleift man das Tier aus der Arena.
Der Stier verendet auf dem Weg -
hoffentlich.

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