Claudia Ramm

Lebendiges Gedicht

Mein Geist ist williger Natur,
doch steht im Kontext eben
mein Körper, welcher, es ist wahr,
die Hälfe schon gegeben.
Von seiner, zur Verfüg gestellt,
geschätzten Lebenszeit,
schnell schritten 49 Jahr,
vorbei, fast ungezählt.
Nur noch mit Pilln und Kräterlein,
lässt sich der Tag durchstehen,
der Magen schmerzt, der Rücken zwickt,
ich fühl mich wie in Wehen.
Nur kommt dabei kein Leben raus,
das ich im Arm kann wiegen.
Nur morsche Knochen und Gebein,
welch nicht sich mehr läßt biegen.
Die Haut welkt trocken vor sich hin,
schlägt hier und da neu Falten,
an Stellen, wo ich nie gedacht,
den Körper neu gestalten.
Das Haar durchzieht wie ein Gespinst,
fein silbrig grau und weiß,
ein Muster zwischen dunklen Welln,
wie feinstes Wintereis.
Die Augen, einst so scharf genau,
wolln nur noch deutlich sehen,
durch gläsern feines Hifsgewerk,
die Schrift lässt auferstehn.
Die Hülle fühlt verbraucht sich an,
nicht mehr wie´s eigne ich.
Doch tief im Innern wohnt es noch
dort finde ich auch mich.
Die junge Frau, die ich einst wahr,
voll Leben, Kraft und Freude,
mein Geist ist jung und alt ist nur,
das äußere Gebäude.
Erlebt hat er ja schon genug,
mein Körper, all die Jahre,
nicht immer war ich gut zu ihm,
bestimmt nicht, Gott bewahre!
So viele Dinge sind passiert,
mein Äußeres zeigt Narben,
und auch mein Geist nicht unberührt,
vom Schicksal fast vergraben.
Manch Tage drücken Leib und Seel
mich tief in Traurigkeit,
doch immer wieder steh ich auf,
mach mich zum Kampf bereit.
Lass nicht verdorrn zu welkem Laub,
ja meines Geistes Blume,
gieß sie mit Phantasienstaub,
füttre mit süßer Krume.
Mein Körper geht, einst irgendwann,
ich zweifel daran nicht,
doch bleibt bestehn, was ich noch war,
ein lebendes Gedicht.
(c)Claudia Ramm

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 04.05.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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