Robert Nyffenegger

Auf dem Friedhof der Gedichte

Gedichte sind den Menschen ähnlich,
In Ausdruck und in zeitlich Dauer.
Die einen gut, die andern dämlich,
Berühmt oder einfach Kalauer.
 
Die einen kaum geboren, sterben.
Die andern leben ewig weiter.
Bei vielen gibt es nichts zu erben,
Und wenige, die stimmen heiter.
 
Im Friedhof kann man sie besuchen,
Die meisten sind im Einheitsgrab.
Den Namen musst du nirgends suchen,
Weil keiner etwas auf sie gab.
 
Doch andre stehen seit Jahrhundert,
Auf einem Marmorstein geschrieben.
Und keiner zeigt sich echt verwundert,
Denn Faust und Glocke sind geblieben.
 
Drum Leute nehmt es nicht zu schwer,
Fürs Massengrab genügst noch lange.
Denn Goethe, Schiller sind nicht mehr,
Und wir, wir bleiben bei der Stange.
 
 

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