Siebenstein

Adolf im Lager

Mit Stöckelschuh´ stolzierte sie konzentriert
durch das Lager der Tiere,

blieb vor einem Zwinger stehn.
"Den kleinen Struppi da", hörte man sie triumphieren.

Die Wärterin öffnete die Käfigtür.
Mit "Adolf heisst der" übergab sie ihn freudig,

und Adi wedelte mit der Rute,
niesste aufgeregt,
mit erkennbarem Blick froher Erwartung.

"Komm, Strupp", rief sie ihm zu.
Adi bellte vor Freude.
Doch "Strupp" hatte er noch nie gehört
und lief fragenden Blickes an der Leine.

Mit einem “Streicheln macht frei”,
strich sie über Adis haselnus-braunes Fell.

“Ist ja auch unser liebster Kerl. 
Sie trafen eine gute Wahl.
Der ist flink wie ein Windhund,
zäh, wie Leder,
und reinrassig, wie ein spitzgedackelter
Windhundschnauzer.”

“Tja, jedem das Seine,”
erwiderte die mit den High-Heels.

Schon musste er auf die Ladefläche springen,
ins  Auto der Madame.
Besah noch einmal seine Wärterin,
die er so lange schon hat gekannt.

Madame nahm am Steuer Platz,
rief zu Adi nach hinten:
"Strupp, setz´ dich ordentlich hin!"

Lange Sätze versteht kein Hund, 
verstand auch nicht klein Adolf,

folgt natürlich dem Instinkt 
und kurzen Kommandos.

Neugierig  kletterte er 
nach vorne,

auf den Beifahrersitz,
und schleckte dankbar Madames Gesicht.

Ihr Make-Up schmeckte nach gutem Fett.
"Pfui, Strupp, pfui, sitz", Madame sich wehrte.

Adi hatte "sitz" verstanden, 
rollte sich auf dem Sitz zusammen.

Lady riss das Steuer herum,
fuhr zurück zu der Tiere Heim.

"Den will ich nich´", sie schnaubte,
als sie Adi der Wärterin wieder übergab,

"denn dieser Zottel 
macht, was er will."

"Gute Frau, erst nach einem Hundetraining,
weiss man, wie man einen Adolf führt”,
gab zu bedenken die Wärterin,
“Tiere folgen Trieben, 
Menschen mit freiem Denken, 
können lenken.”

Und Adi knurrte und hob die linke Pfote,
schaute dabei bekümmert
auf die gesteckelten Beine,

trottete zurück in sein Verlies,
drehte sich mit einem tiefen Seufzer
auf seinen Liegeplatz,

leckte sich seiner Pfoten Fell,
spürte, dass ihn keiner will.

Traurig schloss er seine Augen.
Man sah eine Träne 
an seiner Schnauze herunterlaufen.

Als Madame das Rinsal sah
überspielte sie ihren aus Eigensinn
geborenen Unwillen
mit überheblicher Arroganz,

damit kein Mitleid sie überkam,
welches ihre Geisteshaltung 
hätte gefährden können.

"Blödes Vieh", bemerkte sie.

Die am Wohle des Lagers
interessierte Wärterin
sprach zu ihr mit den Worten:

"Dürfte ich vielleicht eventuell 
wenigstens um eine kleine Spende bitten?"

"Hören sie, 
wir sind hier nich´ bei der Fernsehlotterie.

Wenn ich dort etwas einbezahle, 
habe ich wenigstens eine Gewinn-Chance. 

Bei ihnen hab` ich
von einer Spende nichts. 

An Kadaverresten einst
viel geplagter Schweine
erfreut sich ja auch der verstruppte Kleine.

Erschiessen sie den kleinen Fresser,
dann geht  ´s nicht nur ihrem Lager schon viel besser.

Der hat sowieso ein schlechtes Karma.
Schicken sie heim, zu Wodan, in die Walhalla.

Ausserdem: Hier stinkt ´s. 
Da fängt man sich vielleicht ´nen Virus."

"Zumindest", meinte die Wärterin, 
"scheint ´s, dass  mittels Arten von Viren
erzeugt wird die Verwirrung von Gehirnen."

Madame fuhr,
nein,
sie floh davon.

Die Wärterin lief zu Adi hin,
sprach bei sich leise zu ihm durch die Gitter:
"Das Leben ist nicht nur hart für dich, 
sonder auch für viele Kinder.

Ich tu´ , was ich kann. Fasse Mut.
Bald herrscht über die Erde Jahwes Königreich.
Dann geht ´s uns allen gut."

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen

 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Siebenstein).
Der Beitrag wurde von Siebenstein auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 06.05.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

Der Autor:

Bücher unserer Autoren:

cover

Zärtlichkeiten von Hartmut Pollack



Immer stärker schlägt sich im alltäglichen Leben eine Entwicklung zur sozialen Kälte in Deutschland aus. Viele Menschen wurden in die wirtschaftliche Verunsicherung geworfen, oft ohne ihr eigenes Verschulden. Gegen diese Politik der Sozialkälte können wir Menschen häufig nur unsere innere Menschlichkeit setzen. Mit Zärtlichkeit führt der Weg zurück zu Liebe, Sehnsucht und in Träume.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (0)


Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Tiere" (Gedichte)

Weitere Beiträge von Siebenstein

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

828-Symbolik von Siebenstein . (Spirituelles)
DER ENTERICH von Christine Wolny (Tiere)
Ostergruß 2020 von Jörg/e-Stories.de von e-Stories.de Team (Ostern)