Hans Fritz

Der Fund im Rabenhain

Herr Kobolds sucht das Abenteuer,
wo immer er auch weilt,

ob in Stadtforst oder Scheuer,
keinem Unheil er enteilt.

Im Rabenhain verweilt er gerne,
der ist so reich an wild Geschehn,
wenn nächtlich altvertraute Sterne
funkelnd über Wipfeln stehn.

Unterm Busch so grün und rein,
da liegt wohl schon seit Jahren,
ein gänzlich ausgebleicht Gebein,
ein Humus tat’s bewahren.

Halb Mensch, halb Tier, was war es wohl?
Der Fachmann soll entscheiden.
Ob es als neuer Art Symbol
Waldfaunapracht tat kleiden?

So wird es hastig, zack, zack, zack,
geborgen aus des Laubes Decke,
gepackt in einen Jutesack,
befreit von Kerf und Schnecke.

Herr Kobolds höchstpersönlich
dem Museum schenkt den Fund.
Der wird taxiert als hundsgewöhnlich -
für Sensationsmeldung kein Grund.

Denn als Plastik lebensecht geformt,
imponierte eines Drachens bleich Skelett.
Für makabres Bühnenbild genormt,
macht’ es Horrorszene erst komplett.

*

Kleine Bühne musste schliessen,
denn das Publikum blieb rar,
kaum einer mochte noch geniessen
was rastlosen Autors Flause war.

Requisiten ruhten in der Gosse,
zum Selbstbedienen ausgelegt,
und mancher Reste sammelnde Genosse
hat Prachtstücke hinweggefegt.

Zum Glück den Drachen nicht,
den hat der Inspizient begraben,
spät, bei letztem Dämmerlicht,
im ‘Hain der sieben Raben’.


 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 08.05.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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