Reiner Mayr

Die Brille

Die Brille
Zu seinem Geburtstag bekam Herr Hille von seiner Frau eine neue Brille,
sie meinte nähmlich, jetzt, da du endlich wieder befördert wurdest,
solltest du schon einmal mit der Zeit gehen, eine neue Brille würde dir
wirklich sehr gut zu Gesicht stehen.

Herr Hille war aber nicht begeistert über diese geschenkte Ehre,
seine gute alte, dicke und stabile Hornbrille hat er nun schon 20 Jahre,
er hat noch den vollen Durchblick, die hält noch lange, so Gott bewahre.

Seine Frau wusste schon, ihr Mann trennt sich nicht gerne vom Gewohnten,
aber setzte sie doch einmal bitte auf und du wirst sehen,
du verzichtest auf sie nie mehr darauf.

Als Herr Hille das Brillenetui aufmachte, strahlte er voller Glück,
denn darin lag das wunderschönste Designerstück, leicht wie eine Feder,
die Bügel mit feinsten Diamanten besetzt, er setzte sie sogleich auf,
betrachtete sich im Spiegel und erkannte sich sogleich nicht wieder,
er hatte doch bisher ein Normalgesicht, da schaut ihn ja auf einmal ein
Inellektueller an, ein ganz interessanter Mann und er meinte schon zu spüren,
dass die Diamanten sich gegenseitig und damit seine Gehirnströme aktivieren,
er war begeisert und fragte sich, warum habe ich es so lange mit meiner Hornbrille
gehalten aus, jetzt schaue ich endlich nach etwas aus.

Am nächsten Tag ging er mit neuem Schwung aus dem Haus, es wurde ihm
natürlich zur Beförderung und Geburtstag gratuliert, aber komischerweise
nicht zu seiner neuen Brille und damit Gesicht.

Als er vom Dienst heimkam, wusste er aber auch warum, ständig fummelte er an
seiner neuen Brille herum, ständig rutschte sie  auf seiner Nase hin und her,
die ist zu leicht, die trägt er nicht mehr. Er sagte zu seiner Frau, ich gehe zum
Optiker, der muss sie richten, oder du gibst sie zurück, dies wäre mein Glück.

Nach einer Woche hatte seine Frau Geburtstag, Herr Hille schenkte ihr ein
ganz kleines Schächtelchen, seine Frau wunderte sich schon, sonst bekommt
sie doch immer etwas ganz Großes. Aber als sie das kleine Ding aufmachte,
war sie total entzückt, darin lag ein Ring mit feinsten Diamanten besetzt,
er funkelte sie nur so an, sie strahlte ihren Mann an, gab ihm und der Hornbrille
einen dicken Kuss und hiermit hat die Geschichte mit Durchblick  ihren Schluss!



 

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen

 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Reiner Mayr).
Der Beitrag wurde von Reiner Mayr auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 11.05.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

Der Autor:

Bücher unserer Autoren:

cover

In Schattennächten: Prosa und Reime von Rainer Tiemann



Was wäre ein Tag ohne die folgende Nacht? Die tiefschwarz, aber auch vielfarbig sein kann. In der so manches geschieht. Gutes und Schönes, aber auch Böses und Hässliches. Heiße Liebe und tiefes Leid. Dieser stets wiederkehrende Kreislauf mit all seinen täglichen Problemen wird auch in diesem Buch thematisiert. Schön, wenn bei diesem Licht- und Schattenspiel des Lebens vor allem Liebe und Menschlichkeit dominieren. In Prosa und Reimen bereitet der Autor ernsthaft, aber auch mit einem Augenzwinkern, diverse Sichtweisen auf. Auch ein Kurzkrimi ist in diesem Buch enthalten. Begleiten Sie Rainer Tiemann auf seinen Wegen „In Schattennächten“.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (0)


Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Satire" (Gedichte)

Weitere Beiträge von Reiner Mayr

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Oh Waldemar von Reiner Mayr (Humor - Zum Schmunzeln)
Nimm es leicht von Ilse Reese (Satire)
WILDSCHWEIN von Christine Wolny (Tiere)