Patrick Rabe

Augen, die lieben, morden nicht

 

Die Wetter-App versagt und ich höre, wie sie flüstern,

wie sie draußen nicht wissen, ob sie hellen oder düstern,

die Schwestern der Gnade, so nennt man sie sehr gern,

doch blind rennen sie gegen den Mercedesstern.

 

Ich sag jedes Mal, bleibt doch bloß mit mir drinnen,

doch wenn ich dann einschlafe, schleichen sie sich schnell von hinnen,

sie denken, das Licht, das ich gebe, das reicht,

und dass man sich zur Not im Dunkeln an den Sternen eicht.

 

Doch wenn es dann erlischt, sind sie blind für den Weg,

erst scherzen sie noch viel, doch dann verpassen sie den Steg,

der auf die gute Seite führt im Modus des Vertrauens,

und sehen an dem Tor zur Nacht die Schwestern des Grauens.

 

Dann packt ein Eishauch sie im viel zu finsteren Wald

und ihre Ebenbilder aus der Irrenanstalt,

sie schwingen ihre Messer, und nur Gottes milde Hand

beruhigt ihre Herzen, rettet Schönheit und Verstand.

 

Er rettet sie und mich, bevor der Nachtmahr erscheint,

und hat uns, eh der Tag erwacht, wieder selig süß vereint,

doch ich fürchtete den Tag, an dem Träume nicht mehr reichen,

denn wenn echte Messer stechen, werden Menschen doch zu Leichen.

 

Falsche Bräute sind hübsch, doch sie sind immer dieselben,

sie passen in die Zeit, sind mal Feen, und mal Elben,

sie seh'n genauso aus wie meine Lieben von heut früh,

doch rufen geisterhaft: "Deine beiden sind perdue."

 

Doch dann kommen auch sie und legen mich in Ketten,

und wollen, dass ich rate, welche töten, welche betten,

welches von den Pärchen lebt und welches in der Nacht erfror'n,

welches doch den Feind erblickt, während es ward neu gebor'n.

 

Und dann halt ich ihre Hände und die Augen, ja sie leuchten,

ihre Ketten fesseln nicht und mein Gestammel ist kein Beichten,

doch ich zitter um Beide, denn ich setze nicht aufs Spiel,

was ich selber nicht sehe, Träume sind ein Weg, kein Ziel.

 

In der Mitte des Weges: Ein Chinese, der erpresst.

Der mich, wenn er bei mir ist, nie das Messer sehen lässt.

Und dann weint er wie ein Kind, doch er achtet nichts, was mein,

wird kaum draußen zu den Menschen, die ich liebe, anders sein.

 

Wenn die Schwestern der Gnade draußen Tag und Nacht vertauschen,

hört man Schüsse und Geschrei, doch auch sanfte Flüsse rauschen,

und dann wünsch ich sie frei, fröhlich, liebend, wohlbehalten,

hätt' sie lieber bei mir, es ist nichts mehr ganz beim alten.

 

 

© by Patrick Rabe, 11. Mai, 2020, Hamburg.

 

''In der Umarmung werden Schwestern der Gnade zu Schwestern der Liebe, weil sie dann den spüren, den sie lieben.'

 

'Sie: "Ich lege mich jetzt zu dir, aber eigentlich habe ich Angst, dass du mich tötest. Zur Sicherheit nehme ich dieses Messer mit ins Bett." Er: "Geht klar. Wenn ich mein Maschinengewehr auch mit ins Bett nehmen kann, werden wir sicherlich Spaß haben."'

 

'Wen du nicht siehst, den kannst du nicht beurteilen, wer nicht bei dir ist, den kannst du nicht beschützen.'

 

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen

 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Patrick Rabe).
Der Beitrag wurde von Patrick Rabe auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 11.05.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

Der Autor:

Buch von Patrick Rabe:

cover

Gottes Zelt: Glaubens- und Liebesgedichte von Patrick Rabe



Die Glaubens-und Liebesgedichte von Patrick Rabe sind mutig, innig, streitbar, vertrauens- und humorvoll, sie klammern auch Zweifel, Anfechtungen und Prüfungen nicht aus, stellen manchmal gewohnte Glaubensmuster auf den Kopf und eröffnen dem Leser den weiten Raum Gottes. Tief und kathartisch sind seine Gedichte von Tod und seelischer Wiederauferstehung, es finden sich Poeme der Suche, des Trostes, der Klage und der Freude. Abgerundet wird das Buch von einigen ungewöhnlichen theologischen Betrachtungen. Kein Happy-Clappy-Lobpreis, sondern ein Buch mit Ecken und Kanten, das einen Blick aufs Christentum eröffnet, der fern konservativer Traditionen liegt.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (0)


Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Liebe" (Gedichte)

Weitere Beiträge von Patrick Rabe

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Fleischsaat von Patrick Rabe (Tabuthemen)
Wir zwei von Heino Suess (Liebe)
Fragen einer Fledermaus von Lizzy Tewordt (Humor - Zum Schmunzeln)