Nicola Trampert

Die Reise

Sonntagabend und wieder sitze ich hier

Alles an seinem Platz

Neben mir nichts als ein paar leere Flaschen Bier

Alles sauber

Und schon wieder passiert es mir

Alles schön

Der Verstand entweicht

Und es überkommt mich die Melancholie der Andersheit

 

Ich blicke mich um

Alles da

Und sehe, wie alles weniger wird

Die Bücher, die ich las

Alle im Regal

Die Erinnerungen, die ich besaß

Alle real

Verschlossen in einer Kiste

Zusammen mit der unendlichen ToDo-Liste

 

Ich blicke auf die Uhr und die Gedanken fangen wieder an

Alles dreht sich

Und wieder frage ich mich

Alles wird schwach

Wie viel Bier es braucht, bis man den Kopf leer trinken kann

Ich frage mich

Alles tickt

Wann die Uhr zu drehen begann

Und wieder frage ich mich

Alles rennt

Ob man die Zeit zurückdrehen kann

 

Ich öffne ein neues Bier und starre den Bildschirm an

Ich stelle ihm Fragen, die Google nicht beantworten kann

Versuche mich zu erinnern

Wann ich zum ersten Mal an einem Bahnhof stand

Ich denke nach, wann war es nur

Der erste Zug, mit dem ich fuhr

 

Zu den Zielen, die ich fand

Ein Blick über den Flaschenrand, noch ein Schluck Glück

Doch es hilft mir nicht

Gegen meinen Willen setzt sie wieder ein

Die Erinnerung ans Anderssein

Und wieder versagt mein Gedächtnis

Bei der Frage, wann die Reise begann

 

Ein weiterer Schluck aus der Flasche

Öffnet mir die alten neuen Sphären

Die mir wie jeden Sonntagabend freudig erklären

Wie die Reise funktioniert

Und wieder ist es passiert

 

Wieder sitze ich hier

Alles an seinem Platz

Neben mir nichts als ein paar leere Flaschen Bier

Alles sauber

Und schon wieder passiert es mir

Alles schön

Der Verstand entweicht

Und es überkommt mich die Melancholie der Andersheit

 

Ich starre den Bildschirm an und sehe wieder nur die Uhr

Wie eine Bombe, die rasende Zeit

Es ist gegen die Natur

Doch ich kann nichts dagegen tun

Ich will sie so gerne zurückdrehen

Doch ich weiß nicht wie weit

 

Und wieder greife ich zur Flasche

Und je tiefer ich in sie blicke

Desto mehr füllt sie meine Gedächtnislücke

Ich fahre wieder Zug

Die Bahnhöfe sind voll und frisch

Ich versinke im Chaos

Erneut fasziniert es mich

 

Es gibt so viele Züge

Ich weiß nicht, welchen ich nehmen soll

Das Bier wird leer und ich renne

Und ich steige in den letzten, der fährt

Und fahre, bis ich alle Bilder erkenne

Vorbei an allen Wäldern, die ich nie sah

Vorbei an allen Bahnhöfen, die ich nicht kenne

Vorbei an allen Orten, an denen ich nie war

 

Ich blicke aus dem Fenster

Und es winken all die Menschen, die ich nie traf

Und ich starre auf die Uhr, die ich nie besaß

Und ich denke an die Dinge, die ich nie tat

Und an mir vorbei rasen all die Züge, die ich nie betrat

Mir wird schwindlig, ich bin immer noch hier

 

Meine Hand öffnet eine neue Flasche Bier

Ich will, dass es aufhört, will die Bewegung nicht mehr fühlen

Ich nehme einen tiefen Schluck

Und versuche die Bilder wegzuspülen

Der Zug hält an und ich steige aus

Es ist kalt

 

Ich blicke mich um

Alles da

Und sehe, wie alles weniger wird

Die Züge, mit denen ich nie fuhr

Und wieder nur der Blick auf die Uhr

Die Erinnerungen, die ich besaß

Alle real

Verschlossen in einer Kiste

Zusammen mit der unendlichen ToDo-Liste

 

Und noch einmal blicke ich tief in die Flasche

Und spüre, wie ich den letzten Tropfen erhasche

Und erneut fällt mein Blick auf die Bildschirmuhr

Und wieder ist sie weitergelaufen, die Zeit

Es ist gegen die Natur

Doch ich kann nichts dagegen tun

Ich will sie so gerne zurückdrehen

Doch ich weiß nicht wie weit

Noch immer sind sie alle abgefahren, die Züge, mit denen ich nie fuhr

 

Und wie jeden Sonntagabend sitze ich wieder hier

Alles an seinem Platz

Die Flaschen sind alle leer

Alles sauber

Und schon wieder ist es mir passiert

Alles schön

Mein Kopf hat sich von seinem Verstand befreit
Und es überkommt mich immer wieder die Melancholie der Andersheit

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 03.06.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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