Monika Maria Preiß

Die jahrtausendealte Mär vom Künstler

 
Kluge Denkerstirnen
fein geschwungen
von Geist durchdrungen
logisch gegerbt
psychologisch gefärbt
dahinter
analytisch verschlungen
Gehirnwindungen
zermartert in schöpferischer Glut
durchflossen von schwarzem Wahnsinnsblut
versammeln sich - ein Panoptikum -
in stürmischer Vorfrühlingsnacht
um mich herum
 
Eure Einsamkeitsprodukte
gedruckt auf weißen Seiten Papier
ihr mir einflößt im Kondukte
wie ein Lebens-Elexier
Gepresst in schwarze Plattenrillen
versucht ihr meinen Durst zu stillen
Eure Farben auf der Leinwand
trinke ich voll Gier
dabei stets und ständig auf der Suche
nach meinem Land nach mir
 
Und eh ich mich verseh' ganz geschwind
- draußen streitet ein loser Fensterladen mit dem Wind -
erweck' ich euch zum Leben wieder
Da ihr reckt auch schon eure Glieder
und geistert raunend durch Flure Fluchten
erzählt von eurem Gewerbe dem verruchten
der jahrtausendealten Mär
vom Künstler
 
Durch Jahrhunderte hindurch
seh' ich eure Fackel wandern
einsam lodernd in die Nacht
reicht ihr sie von einem zum andern
- von Sternen entfacht
und ihr schreibt damit behände
eure Schrift an kahle Wände
Doch ist dies Bild nicht Trug und Schein
vernehm' ich da nicht euer Jammern Maledeien
am Ende des langen Flures jeder für sich - allein?
 
Am Ende des Flur's am Sekretär
die gebeugte Silhouette will nicht mehr
Seh' sie verzweifelt an Pulsadern schneiden
mit eigenem Blut letzte Zeilen schreiben
Seh' dort oben diesen Partiturenschreiber
kraxeln auf Berge in ferne Höh'
zu finden seine Alpensinfonie
Und dieser da vergeht todgeweiht in der Lagunenstadt
zu komponieren seinen Liebestod-Akt
 
Aber da wird wieder gescherzt und gelacht
Humor und Ironie zum Werkzeug gemacht
mit dem ihr solche und ähnliche Sachen
mit anekdotischer Heiterkeit
verlackeimert -
Da Gaugin auf Tahiti tanzt mit den Schönen
Bilder Muster und Farben zu finden
und jener einfallsreiche Piano-Spieler
mit dem Bindfaden von der Decke zum kleinen Finger
Ha nun auch die Gipsbüsten in endloser Reih'
stimmen in das Gelächter mit ein
 
Weit hinten - der Flur erweitert sich zum Saal
strauchelt einer mit einem Strauß Fleurs du Mal
und jener beim Roulette wird sich noch ruinier'n
damit sein Spieler nicht ohne Hintergrund beginnt zu existier'n
Aus Bücherregalen wirbelt Staub
der Faust entspringt ihnen - mit Verlaub
macht Meer zu Land mit einer Teufels-Prise
und Beethoven obwohl schon taub
schreibt die Musik für seine Elise -
 
Plötzlich fällt Regen
die Fackel erlischt
der Sturm dauert nicht ewig
die Schrift verwischt
verstaubt verweht
zu mir
und dir
             und lebt
 
 
 

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