Brigitte Waldner

Wurzelstöcke


Sträucher pflanzte man zur Zierde,
dass sie blühten vor dem Haus,
schließlich wurden sie zur Bürde,
und man schnitt die Sträucher aus.

Das beflügelte das Wachstum,
größer wurde Strauch für Strauch.
Oh, wer wollte sich das antun?
Arbeit war es schließlich auch.

Eine Schere war zu kaufen,
zu entsorgen war der Schnitt,
es entstand ein Grünschnitthaufen,
die Gemeinde nahm ihn mit.

Hinterher kam eine Rechnung,
hundertzwanzig Euro plus,
dazu kam die Mehrwertsteuer,
und man fasste den Entschluss,

alle Sträucher zu entfernen,
denn sie nahmen freie Sicht,
Und was konnte man draus lernen?
Wurzeln löst man so leicht nicht!

Festgewurzelt in der Erde
stand ein Wurzelstock nun da,
ohne Zweige, ohne Blätter,
ohne Blüte, die einst war.

Beim Versuch, ihn auszureißen,
auszugraben mit Gewalt,
war er Widerstand am Leisten,
und es kam nicht zum Erfolg.

Mit der Kraft der bloßen Hände
rührte sich, trotz größter Müh,
nichts. Es kam zu keiner Wende,
er wuchs wieder in die Höh‘.

Wer nun meint, dass in der Erde
eine Wurzel sich bewegt,
hat noch nie in seinem Leben
Wurzelstöcke freigelegt.

© Brigitte Waldner
 

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