Jan Harmening

Sommerregen

In des Abend Dämmerung
Der wolkig Himmel rot
Nach der Hitze des Tages
Mit heftgem Regen droht

Des Wolken-Mantel Dunkel
Bedeckend das ganze Land
Das letzte Licht des Tages
Hinterm Horizont verschwand

Zuckend Blitze jetzt verkünden
Ein Wunsch in Erfüllung geht
Und des Windes starke Brise
Durch Geäst und Blätter weht

Der Ferne Rauschen nun in Eile
Erster Tropfen spritzend Nass
Auf des lechzend trocken Boden
Auch in Erwartung ist das Gras

Als der irden Duft des Regens
Betörend in die Nase steigt
Erfrischend und belebend
In Gefühlen Wirkung zeigt

Ja ein Verlangen ungezähmt
Den Regen zu genießen
Prasselnd auf die bloße Haut
In Strömen zu ergießen

Doch was, wenn man mich sieht?
Welch Gedanken, Worte, Taten?
Wär's mir peinlich und vielleicht
Am End gar der Polizei verraten

Aber nein, nicht hier noch jetzt
Wird jemand sein, der mich verpetzt
Warum sollte ich's nicht wagen
Zu tun wie in frühen Kindertagen?

Gedacht, getan, die Sachen abgelegt
Ein letzter Blick muss jetzt genügen
Nirgendwo ein Mensch zu sehn
Hinaus geschwind in das Vergnügen

Ach wie herrlich dies zu spüren
Der prickelnd Tropfen auf der Haut
Das Gefühl alles abzuspülen 
Was über Jahre angestaut

Gesicht, Hände, ja mein ganzes Sein
Verzückt dem Himmel zugewendet
Des Lebens Atem zu verspüren
Des Tages Glück vollendet

Mich drehend, hüpfend, tanzend
Sorglos wie ein spielend Kind
Und am Ende gar, oh wie fein
Ein Sprung in eine Pfütz hinein

Doch plötzlich wird es mir gewahr
Steh triefend, tropfend ich im Wind
Auf der Wies im Dunkeln zwar
Doch entblößt so wie ein Kind

Warum die Scham? Wovor die Scheu?
Mich an der Schöpfung Pracht erfreu
Was ist Leben? Drum frag ich nur:
Ist auch das des Menschen Natur?

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