Hanns Seydel

DIE UNBEKANNTE VOM ZUG


( nach einer wahren Begebenheit im Leben des Autors )

"Sie war nicht in dem Thal geboren,
Man wußte nicht, woher sie kam,
Und schnell war ihre Spur verloren,
Sobald das Mädchen Abschied nahm."
(Schiller: "Das Mädchen aus der Fremde", 2. Strophe)


Nur noch laut war sein Getöse
und ganz dumpf war sein Gedröhne,
als er einfuhr auf dem Gleis
und das um jeden, jeden Preis.
Mein Zug der Wahrheit fuhr hier auf
und alle Insass` warn gut drauf.
Doch Eine war das Gegenteil,
mit Ernst und Ruhe bracht` sie Heil.

Geheimnisvoll, in sich gekehrt,
war diese herrlich` Eva da.
Gebannt von ihres Anblicks Wert,
ich dacht` an sie das ganze Jahr.
Ihr unergründlich tiefer Blick,
fern von Feuers brodelnd` Brandung,
sagt Wahrheit ohne Trick,
bringt alles Wahre dort zur Landung.

Blond war ihrer Haare Pracht
und grün ihr` Augen Paar.
Sie war `ne wertvoll` Fracht
auf mei`m Wahrheitszug der Saar.
Ihr Mund, der tiefe Lüste weckt,
hat herrlich breite Lippen.
Ihr schöner Hals ist langgestreckt
und nichts bringt ihn zum Kippen.

So schön geschminkt wie sie
gibts derer wahrlich wenige.
Ihr` Anmut, die versieget nie
und ich, ich bin der Selige.
Und herrlich sind ihr` Händ`
und herrlich auch ihr` Brüst`.
Nichts bei ihr läuft nur behend,
ihr` Ruh, die führt zu viel Gelüst.

Der Brüste ihrer zwei
sind ausgeformt ganz prall.
Dies herrlich Eva sei
ein Segen ohne Knall.
In ihr` Figur total vertieft,
in ihrn Anblick tief versunken,
ich in diese Eva war verliebt
und war ganz liebestrunken.

Und wie aus einem Traum gerissen,
der Zug, er machte Halt.
Ich ging dann ganz beflissen
zu Arbeit und Gehalt.
Und jedes Mal, ich saß im Zug,
ich hab` gehofft, jen` Eva kommt,
ihr sagen, dass ich trug
mein Glück, bei ihr gesonnt.

Doch Pech gehört zum Leben,
ich sah sie nie mehr wieder.
Sie war für mich ein Segen,
durchdringend all` mein` Glieder.
Lange Zeit, ich hab gebraucht,
verdauend dieses Pech.
Doch Liebe war noch nie verraucht,
dies` Eva ist ein schön` Gespräch.

Und letztens wurds grandios,
ich sah nämlich famos
`ne neue herrlich` Unbekannte,
in die ich mich sofort verrannte.
Noch vor des Zuges nächst` Station,
ich sprach sie an und frug sie nun,
ob sie denn öfter führ` mit  Zug
oder, ob sie hätt` von Bahn genug.

Sie gab dann freundlich zu,
im Zug, sie hätt` ihr` Ruh.
Im Gegensatz zum Bus,
im Zug, es gäbe kein` Verdruss.
Ich wurde dann sehr deutlich,
doch wie auch sonst sehr freundlich,
ich ihr sagte, ich sie mag,
sie gern seh an jedem Tag.

Doch wieder kam das Pech im Leben,
denn ich erfuhr sodann,
es kann für sie kein andren geben
als eignen Ehemann.
Auch diesen schweren Schlag,
ich hab ihn überwunden.
Denn hier im Ort, kein` Frag`,
mein Traumfrau ist gefunden !

( E N D E )
Hanns SEYDEL, 01.09.2019
( Werk 022 )




"Beseligend war ihre Nähe
Und alle Herzen wurden weit,
Doch eine Würde, eine Höhe
Entfernte die Vertraulichkeit."
("Das Mädchen aus der Fremde", 3. Strophe)






























































































































































































 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 26.06.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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