Hanns Seydel

ERDBEBEN IN ERFURT

"Wohl manches Fahrzeug, vom Strudel gefaßt,
Schoß gäh in die Tiefe hinab,
Doch zerschmettert nur rangen sich Kiel und Mast
Hervor aus dem alles verschlingenden Grab.
Und heller und heller wie Sturmes Sausen
Hört mans näher und immer näher brausen."
(aus Schillers "Der Taucher")



Es war der letzte Tag im Mai
des Jahres Zwanzigvierzehn.
Da war ein schrill` Geschrei,
die Leute hab` das Nachsehn.

Erfurt war die deutsche Stadt,
die heimgesucht ward grauenhaft
von Kräften aus des Bodens Tiefe,
vergeblich waren Hilferufe.

Was dröhnet und krachet im Erdboden krass ?
Was stöhnet und schreiet der Leute Tross ?
Die Erde, sie tat sich gefährlich weit auf,
Das Unglück im Loch, es nahm seinen Lauf.

Donnerkrachend, wild krass brodelnd,
ultraherb und megaderb
waren Steinemassen dort nur strudelnd
und zu Haufe wie ein Berg.

Brandend wie Orkangewalten,
denen fremd war jedes Halten,
war das Beben so massiv,
dass Schranken hingen schief.

Straßen zerrüttet durch Erdbebens Kraft,
übel beschädigt durch tiefere Macht,
war alles ein Inferno von heftigster Art
und Unheil, es kam dann so richtig in Fahrt.

Der Erdboden gefährlich am Zittern,
die Häuser bedrohlich am Wanken,
war nirgends Rettung in Sicht,
war nirgends ein Hoffnungslicht.

Das Beben des Bodens nahm immer mehr zu,
die Gärten der Häuser versanken im Nu.
Die Straßenlaternen bedenklich am Wackeln
vertieften das Dunkle in jedem Schatten.

Doch endlich kehrte Ruhe ein
nach schrecklich schlimmer Zeit !
Es strahlte wieder Sonnenschein,
die schöne Stadt war dann befreit. !

( E N D E )
Hanns SEYDEL, 08.09.2019
( Werk 025 )



"Und es wallet und siedet und brauset und zischt,
Wie wenn Wasser mit Feuer sich mengt,
Bis zum Himmel spritzet der dampfende Gischt,
Und Well auf Well sich ohn Ende drängt,
Und wie mit des fernen Donners Getose
Entstürzt es brüllend dem finstern Schoße."
(aus Schillers "Taucher")




















































































 

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