Bernhard Pappe

Ist die Welt noch in Ordnung?


Ein kosmisch Erleuchteter schlug gegen Wolkentore.

Er forderte vollmondig Respekt für sich und sein Handeln.

Mein Körper schälte sich aus der Zwangsjacke eines bleiernen Schlafes.

Das Ich zwängte sich durch die Gitterstäbe seines Gefängnisses.

 

Wo war der Tag, wo war das Licht?

Eitel Sonnenschein war keine Garantie für das Ende der Nacht.

Der Morgen legte kein Rouge auf, sondern puderte sich mit fahlem Zwielicht.

Irgendwo atmete jemand Bodennebel ein und Hochnebel wieder aus.

Oder war es umgekehrt?

War die Welt so in Ordnung? Ich wusste es nicht.

 

Es schlurfte etwas über die Fliesen.

Die Katze mit dem Holzbein saß schon im Bad.

In der Wanne ging gerade ein Kreuzfahrtschiff unter.

Hatte die Katze das Wasser eingelassen?

Ich traute ihr nicht. Es lag möglicherweise am Holzbein.

Meine Not durfte mit mir ins Bad und sie verschwand dort.

Unschuldige Seife wusch mich rein.

 

Ich torkelte in die Diele und stieß mit einem Hamsterrad zusammen.

Ein monströses Ding, alles was Recht ist.

Ich ließ es links liegen, um in die Küche zu eilen.

Hinter mir knallte eine Peitsche.

Das Hamsterrad setzte sich knarrend in Bewegung.

Hatte die Katze ihre Pfote im Spiel oder gar ihr Holzbein?

 

Als ich in der Küche stand, schrie der blanke Holztisch nach dem Frühstücksgedeck.

Ich ignorierte ihn und zwang die Kaffeemaschine zu einem traurigen Song.

Der Tageslärm drängelte sich durch das offene Fenster.

Beinah flog mir eine Brötchentüte an den Kopf.

Der Bäckerjunge schien wieder für den Zirkus zu üben, in den er doch nicht gelangen würde.

Es bäckt zu kleine Brötchen.

Die Kaffeemaschine kam mit ihrem Singsang zu Ende.

Ich deckte den Holztisch, der jetzt schwieg.

Wir schwiegen beide das Schweigen einer Mauer.

War die Welt so in Ordnung? Ich wusste es immer noch nicht.

 

Ein großes scharfes Messer rutschte in ein viel zu kleines Brötchen hinein und anschließend in meine Hand.

Blut übertünchte den Rotweinfleck auf dem Holztisch.

Ein Rinnsal nur, aber war es infiziert, verseucht, gar ätzend?

Mit einem Wisch war alles weg!

Ich schlenderte zurück ins Bad und versorgte mein fleischliches Ich.

Das Kreuzfahrtschiff hatte sich rückstandsfrei aufgelöst.

Ich gab ein paar Blutstropfen ins Wasser, die sich unerkannt verdünnten.

Stöpsel raus und weg damit!

 

Die Katze stellt mir ihr Holzbein, um mich in meine Zukunft stolpern zu lassen.

Sie zeigte vorwurfsvoll auf den Schrank, in dem ich das Futter verwahrte.

Da war ein Frühstück offen und ihre Welt war ganz und gar nicht in Ordnung.

Eile war geboten, um weiteren Auseinandersetzungen zuvorzukommen,

Meinen Blutverlust füllte ich mit Kaffee auf, die Katze fraß sich voll.

 

Ich hätte einfach ungeschminkt in die Licht-Dunkelheit hinaustreten können.

Warum sollte ich die Welt nicht provozieren mit meinem seltsamen Blut, meinem parfümierten Schweiß und meinen falschen Tränen?

Das Hamsterrad war in seine Einzelteile zerfallen.

Ich öffnete schwungvoll die Tür; des Briefträgers Fahrrad verfehlte nur knapp einen Baum.

Mein Initialsystem lachte sich krumm und schief und büßte seine Koordinaten ein.

Auch die vierte Dimension kam mir abhanden. Der Hamilton-Operator verlor seine Eigenwerte.

War die Macht nun mit mir oder ich mit ihr?

Ich brachte stets durcheinander, wer wen angeheuert hatte.

Vorwärts und nicht vergessen… Aber was?

War die Welt so in Ordnung? Der Augenblick blickte auf den Moment und der grübelte nicht darüber nach.

 

Warum schreibe ich all das auf?

Dieses obskure Zeug, diese Ausdünstung aus Hirnrissen?

Weil…

Ja, weil meine Welt danach in Ordnung sein könnte.

Mache du das Andere und sei du selbst! So schrie die Welt am Anbeginn der Worte.

© BPa / 07-2020

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 02.07.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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