Frank-Ulrich Meinhard

Ein Abend mit Charlotte

Ein Abend mit Charlotte

 

 

Bis heute warst du mir unbekannt.

Jetzt schaust du mich an - ganz offen.

Und heute ist just dein Todestag.

Und Tod macht mich stets betroffen.

 

Dein Leben aber erstaunt mich sehr!

Du brillierst im Zeichnen und Dichten!

Du bist viel mehr, als nur "seine Frau",

wie gewisse Zeugen berichten.

 

Ich seh dich jetzt in einem Gesicht,

das mich einlädt, nicht zu zaudern.

Lass uns, Charlotte, heute Abend

im Gartenhaus munter plaudern.

 

Ich merke schon, das Gespräch führst du.

Du weißt viel mehr zu erzählen.

Du kennst Diderot, Vergil und Kant.

Und Goethe. Der darf nicht fehlen.

 

Wir sitzen lange im Garten vor Haus

auf den steinernen Treppenstufen.

Im Dachzimmer schreibt er am Wallenstein,

wir hören ihn reden und rufen.

 

Ich habe im Physikunterricht

seine Balladen gelesen.

Doch näher, so scheint mir, ist mir jetzt

dein herrlich offenes Wesen.

 

Die Dämm'rung hüllt schon den Garten ein.

Die Venus strahlt hell und einsam.

Die freie Luft des Saaletales

atmen wir heute gemeinsam.

 

Ein Wort noch, Charlotte, bevor du gehst -

schon seh ich mich von dir entfernen:

Es ist ein Gewinn erfrischender Art,

dich endlich kennenzulernen.

 

Jena, 9. Juli 2016

 

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