Liselotte Brand-Cerny

Die traurige Buche 11.07.2020

Ein Samenkorn ist hier verschwunden,
es irrte herum seit vielen Stunden.
Fand Platz bei einem Stamm ganz nah,
"hier bleibe ich, ist ja sonst keiner da."
Eine Buche hat das Pflänzchen gehegt,
hat die Wurzeln in ein Laubbett gelegt;
sie machte dort ein richtiges Nest
und drückte alles behutsam fest.
Dort war es an den Stamm geschmiegt,
wurde vom Wind in den Schlaf gewiegt.

Dem kleinen Bäumchen gefiel es dort,
es wurde gestreichelt in einem fort –
es fühlte sich so wunderbar an,
ob es wohl immer so bleiben kann?
Schon bald sah man beim kleinen Baum,
die ersten Spitzen, man spürte sie kaum.
Das kleine Bäumchen, zart und fein -
es konnte nur eine Buche sein.

Die grosse Buche wusste zu träumen,
sie sah einen Park mit Buchenbäumen.
Der alte Forstwart hat gar viele gesetzt
und jeden möglichen Platz besetzt.
Auch er sah schon den Park entstehen,
sah viele Leute spazierengehen.
Mit Wegen, Bänken, ein kleiner Teich,
ein Rasen, so grün, wie Samt so weich.

Da war in der Nacht ein Mann gekommen
und hat ein paar Buchen mitgenommen.
Sein ältester Sohn stand auch schon parat,
doch der fand's nicht richtig, was Vater da tat.
Der Vater beendete jetzt seine Suche,
hielt nur noch an bei der grossen Buche,
um nach dem kleinen Bäumchen zu spüren,
das wollte er separat nach Hause führen.

Der Junge erschrak und sagte "oh nein,
lass doch das kleine Bäumchen sein."
Der Vater jedoch hörte nicht auf ihn
und grub es aus. »Das ist viel zu dünn.«
Er packte das Bäumchen und warf es fort,
ganz dunkel und kalt, so war es dort.

Der Junge war traurig, sah die Tränen der beiden,
er hörte sie weinen. "Sieh die Buchen, sie leiden!"
Da steckte er das Bäumchen unters Hemd
und spürte den Kummer, ein Gefühl so fremd.
Er holte das Bäumchen und grub es ein,
er sprach mit ihm, denn es war so allein.

Es weinte dicke Tränen, der Junge weinte mit,
er wollte im helfen, doch wusste er nicht womit.
Da nahm er von dem Bäumchen einen winzigen Ast
bohrte in den grossen Baum ein Loch, dass es passt,
steckte dort das kleine Ästchen hinein
und sagte "nun seid ihr nicht mehr allein."
Die grosse Buche warf nun einen Ästchen zurück,
der Junge verstand ihn und lachte vor Glück.

"Danke" rief er und lief rasch davon,
das kleine Bäumchen wartete schon.
Auch es bekam nun ein Ästchen gesteckt,
es reagierte zuerst zwar ein wenig verschreckt.
Doch plötzlich spürte es der grossen Buche Herz,
und langsam liess er nach, der unendliche Schmerz.

Die beiden sind verbunden seit dieser Stunde.
Der Junge bleibt für immer der Dritte im Bunde…

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