Hanns Seydel

ELSA UND LOHENGRIN (2019)


" Von Herzen möge es wieder zu Herzen gehen ! "
( Beethoven über sein Werk "Missa Solemnis" )




Als Gottfried von Brabant
im Sterben lag, verschwand
der Tochter Elsa großes Glück,
denn nichts bringt Tote je zurück.
Wie ward Gottfried immer froher,
zu haben diese Tochter.
Elsas Wert, er war bekannt
im ganzen Königtum Brabant.

Doch Gottfried macht nen Fehler,
denn er riet der Tochter,
in jeder Not, sie soll sich wenden
an den treuesten Vasallen :
Telramundes Friedrich war verwegen,
doch Brabant stets treu ergeben.
Als dauernd stärkster Kämpfer
blieb er bislang immer Sieger.

Und Gottfrieds Fehler,
das wusst dort ein jeder,
war, dass er kannte nicht
Friedrichs wahr Gesicht.
Als Gottfried war gestorben,
begann ein groß Verderben.
Denn Friedrich von dem Telramund,
Lügen gab er weithin kund.

Gottfried hätte ihm gesagt,
Elsa soll sein Weibe werden bald.
Friedrich war ganz unverfroren
und im Grunde nur verdorben.
Doch Elsa wusst genau,
von Friedrich kam nur schlimme Schau :
Gottfried hätte nie gewollt,
dass Friedrich um ihr Hand anhält.

Und alle die Beteiligten,
sie waren einverstanden,
dass ein Gottgericht entscheide,
ob Elsa den Friedrich heirate.
Stumme Stille war dann da,
dumpfes Schweigen herrschte gar.
Herrgott wird die Lösung finden,
Brabant wird nicht im Leid versinken.

Die ganze herbe Szene,
die bitter war wie keine,
trug sich zu am Scheldestrome,
der mündet in den Rheine.
Durch der Leute Beten,
durch der Leute Flehen,
das Wunder, es traf ein,
denn ein Ritter kam dort an.

Auf dem hellen Scheldestrom,
der heller glänzte als ein Dom,
kam der Ritter an in einem Kahn,
gezogen von eim strahlend Schwan.
Ein Raunen ging durch alle Reihen,
wer mag der Fremde seien ?
Schon bald, er hieß der Schwanenritter,
der sollt sein der Retter.

Nachdenklich, der Fremde kam an Land,
ernst wie niemand auf dem Erdenrund.
Er sah die Neugier brennen
und gab sich zu erkennen :
"Lohengrin, das ist mein Name,
mein Herkunft bleibt geheime.
Ich kam für Elsa von Brabant,
zu kämpfen mit dem Telramund !"

Siegreich in der Siege Größe,
wo Keiner gibt sich eine Blöße,
war Telramund sich sicher,
er wird auch hier Gewinner.
Der Kampf, der dann entbrannte,
gigantisch er nur herrschte.
Und Friedrich demonstrierte
seine ganzen Riesenkräfte.

Der Schwanenritter schien zu straucheln,
doch schnell, er stand schon wieder auf.
Seine Kraft, sie war ein Brausen
gegen Telramundes Riesenlauf.
Sie schwangen die Schwerter
mit riesenhafter Wucht.
Des Kampfes Toben wurde ärger,
der Siegeswille, er war echt.

Entfesselt war des Ritters Kraft
und mit riesengroßer Macht,
so hieb er auf den Friedrich ein,
doch Friedrich ward nicht klein.
Und nach schier endlos langem Kämpfen,
der Schwanenritter konnte siegen.
Denn als gehöre er zu Riesen,
er konnte alles überwinden.

Da jubelte Elsa erlöst im Tanze
und nahm Lohengrin zum Ehemanne.
Das Glück der beiden, es ward größer,
denn es ward gekrönt durch Kinder.
Telramund, er ward verjagt
und sein Wappen in Brabant getilgt.
Und wie im Flug die Zeit verrann,
doch das Drama dann begann :

Denn wie durch höhere Gewalt
kam in schauriger Gestalt
eine Neiderin auf Elsa zu
und raubte ihr das Glück im Nu :
"Was ist das für ein Ehemann,
der seine Herkunft hier nicht nennen kann ?"
Sie war die Freundin von dem Telramund,
dem Ärgsten auf dem Erdenrund.

Gemein und hinterhältig war ihr Sinn,
Rache für den Friedrich wollte sie.
Nur die Rache war für sie Gewinn,
Rücksicht gab es bei ihr nie.
Die verhängnisvolle Frage,
sie drängte sich in Elsa auf.
Und vorwurfsvoll, wie eine Klage,
sie begann des Dramas Lauf :

"Lohengrin, mein Ehgemahl, sprich :
Sind wir uns nicht Wahrheit schuldig ?"
Der Ritter war erstarrt, doch blieb er höflich
und es fiel ihm schwer, zu sein geduldig.
"Elsa" rief der Schwanenritter,
in ganzer Seele tief erschüttert,
"achte nicht auf Neugier Dritter,
unser Eheglück ist sonst zerrüttet !"

Doch wie in einem Sog des Bösen,
Elsa konnte sich nicht lösen
und gab dem dunklen Drange nach,
Warnungs Wirkung lag dann brach.
Und wie komplett von Sinnen,
so kams von Elsas Lippen :
"Lohengrin, gib Auskunft
über Deine Herkunft !"

Der Ritter war übelst benommen,
für ihn brach eine Welt zusammen.
Und alle blickten auf ihn gebannt :
"So höret, Leute von Brabant :
Mein Vater, das ist Parzival,
er ist der Hüter des Heiligen Gral.
Zu helfen Bedrängten in der Not,
wir leben nach diesem Gebot !

Meine Mutter ist Kondwiramur,
heilig und gesittet lebt sie nur.
So muss ich nun zur Heimat,
zur Gralsburg Monsalvat !"
Das herrlich Eheglück der beiden
wie durch Donnerschläge ward zerstört.
Trauertön auf allen Seiten
und niemand wurde mehr betört.

Glückes Endzeit war gekommen,
drückend ward es für die Frommen.
Freude war nicht mehr vorhanden,
Frohsinn kam dann herb abhanden.
Da flossen flache Flüsse
von vielfach trüben Tränen.
Die einstigen Genüsse,
sie wichen ärgstem Brüten.

Froher Freudentaumel war verraucht,
jede Jubelhymne war verbraucht.
Bosheit brachte bösen Brand,
Wunden warn wie welke Wand.
Die einst so helle Aura
von Jubeltum und Herrlichkeit,
sie war nicht mehr von Dauer,
Tränen waren das Geleit.

Die Krähen krächzten jämmerlich,
die Geier keiften widerlich.
Die Wölfe knurrten kümmerlich,
die Löwen brüllten bitterlich.
Der Amseln schönes Zwitschern,
es ward auf einmal ärgerlich.
Die Wespen beendet ihr Wispern,
der Hunde Gekläff war fürchterlich.

Die Hummeln hörten auf, zu surren,
das Volk, es konnte nur noch murren.
Verwischt, es waren Glückes Spuren
und Endzeit war auf allen Uhren.
Dem Neid verging das Flüstern
und Keiner war mehr lüstern.
Der Himmel verlor seine Helle,
auf Erden wirkte das Grelle.

Alle Tiere wurden kraftlos,
die Gewächse wurden farblos.
Brabantes Glanz, er war verblichen,
selbst Kaiser Heinrich war ergriffen.
Die Ritter waren regungslos,
ihr Frauen waren fassungslos.
Die Augen der Damen, sie wurden feucht
und nichts mehr dort war seicht.

Und in ihrer Kemenate ganz allein,
fernab von trügerischem Schein,
Elsa brach in Tränen aus
und schrill sie stieß heraus :
"Die grausam krasse Neiderin,
die niemals kannte echtes Glück,
nur Hass ist bei ihr innen drin,
ihr Hass bricht ihr noch das Genick.

Giftiger als schlimmste Natter,
gnadenlos und hasserfüllt,
so sah sie auf den Retter,
ihr Rachehunger war gestillt.
So sei verflucht, Du weltlich Glück,
Du bringst mir nur ein schlimm Geschick.
Einst ritt ich auf Deinen Wogen,
doch bist Du mir nicht mehr gewogen !!"

Das Leben ward Elsa zur Last,
das Dasein mehr als verhasst,
von aller Welt nur enttäuscht,
der Tod sehnlichst erwünscht.
Bei Lohengrin war Ritterehre
und die gepaart mit echter Minne.
Und in Gottes hehrer Ewigkeit
Elsa und der Ritter sind vereint !!!

( E N D E )
Hanns SEYDEL, 03.10.2019
( Werk 047,
046 wurde früher bereits gepostet, jedoch ohne Angabe der Werknummer )



" Dem Lieben Gott gewidmet !"
( Bruckner über seine Neunte Sinfonie )






























































































































































































































































































































 

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