Ralph Bruse

Der Katzenkiller

Typen gibts, die gibts garnicht.
Doch - den hier gibts wirklich. Er heißt Benno Eumel. Merkt 
euch den Namen gut, denn es könnte sein, daß er demnächst 
in eurem 'Revier' auftaucht. Der Typ ist wirklich das Letzte. 
Er kommt immer nachts, wenn in Bukow tiefste Schlafens-
zeit ist...


Der Katzenkiller

Im Dunkeln zieht der Alte los.
Er wirkt auch krumm noch riesengroß.
Sein Schnaufen hört man meterweit,
sogar wenn's schüttet, donnert, schneit.

Am Tag sieht man den Alten nicht.
Doch senkt sich hier das letzte Licht,
dann schleicht er durch die finstren Gassen.
Von Katzen kann der Typ nicht lassen.

Die Leute finden nichts dabei,
wenn wieder mal ein Katzenschrei,
den tiefsten Schlaf und Träume stört:
Nichts Neues - und schon oft gehört.

Statt sich mal motzend zu erschrecken,
ziehn sie lieber die Katzendecken
hoch, bis über alle Ohr'n:
Ist nur die Katz, draußen, im Korn.

Der alte Eumel killt die Katzen,
verkloppt ihr Fell als Kreuzmatratzen;
schwört Stein und Bein beim Umherpeilen:
> Die werden eure Leiden heilen! <

Wer glaubt schon solchen wirren Mist?
Wir nicht - deshalb: er fällig ist!
Wir schreiten auch recht schnell zur Rache,
denn Eile eilt in übler Sache.

Wir rennen zu des Alten Haus.
Sein Buckelweib schielt da heraus
und warnt schon mal den Eumelmann.

Der stürmt gleich brüllend auf uns los -
denkt wohl, die Görn bin ich gleich los.
Falsch gedacht - und zudem Pech,
denn die Gören schreien frech:

> Katzenmörder! Blöder Kacker!
Mach dich mit deinem Sack vom Acker!
Verschwinde, undzwar ziemlich schnell,
sonst brennt die Luft hier ziemlich hell! <

Der Alte grinst nur - schnauzt: haut ab!
Beschleunigt aber seinen Trab.
Nicht flott genug, denn wir sind schneller.

Wir rennen um die nächste Ecke
und segeln tapfer in die Hecke,
von da aus geht es drüber weg,
um Haus und Hof, durch Matsch und Dreck -
zum Stall.

Und plötzlich das Gejaul von Katzen,
die jämmerlich an Balken kratzen.
Manche wimmern schwach und leise,
als wär dies ihre letzte Reise.
Was sie auch ist - wär´n wir nicht hier.
Doch gibts da noch die Eisentür,
die dick und fest verrammelt ist:
sich auch nicht öffnet mit viel List.

Zunächst traurig, wütend zitternd,
dann endlich eine Rettung witternd,
rannten wir vom Eumel-Hof.

Der Alte blökt uns hinterher:
> Tja, Hosenscheißer haben's schwer! <
Und lacht sich erstmal einen Ast.
Glaub ruhig, daß du Ruhe hast...

In Kürze kommt's dann zentnerschwer.
Und das ist auch nicht irgendwer,
sondern Benni - nur ein Hund:
aber riesig, hungrig, und...
Dann muckst der Alte sich nicht mehr.

Bei Benni nämlich, müsst Ihr wissen
hat schon so mancher eingesch.....
Furchtbar groß, ein bisschen Teddy
und irgendwie auch Sugar-Daddy.
Wenn er dann doch mal müde bellt,
zittert im Dorf die ganze Welt.

Der Bernhardiner lag vor'm Bauer
und schnarchte wie ein Gassenhauer
seinen leeren Freßnapf an.

Wir kitzeln ihm die schlaffen Ohren.
Müssen auch in der Nase bohren,
damit der Faulpelz sich mal rührt.

> Entschuldige das späte Stören.
Benni, kannste mal zuhören...?! <
Kann er - will er aber nicht.
Dann kommt die Wiener Wurst in Sicht.
Da will er.

Er fletscht schon mal die scharfen Zähne
und schüttelt die verlauste Mähne.
Schnappt nach der Wurst, richtet sich auf
und übt schon mal den leichten Lauf.

Benni sieht oft leicht verschwommen:
muß wohl am Faulsein liegen.
Wir ha´m ihn mit zum Haus genommen,
wo Katzen Depressionen kriegen.
Da kläffte Benni furchtbar laut,
der Alte sich ans Fenster traut,
mit blanker Schiss im Nacken...
Er rührt sich nicht - und das ist gut -
starrt nur auf Benni, voller Wut.

Wir lassen Benni hungrig schmatzen
und rennen Richtung Hof - die Katzen!
Der Alte rührt sich nicht vom Fleck.
Sein Glück - sonst wär das Beinfleisch weg.

Wir stürmen in den großen Stall,
befrein die Katzen überall.
Hundert Wuschen. Eher mehr
wundern sich vielleicht doch sehr,
daß sie nicht als Decke enden.
Tja, so kann das Blatt sich wenden.

Erst als Benni nochmal bellt
und kraftlos in die Hocke fällt,
flitzt die ganze Katzenschar
dahin zurück, wo sie mal war.

Der alte Zausel steht erstarrt,
reisst sich von seinem Ziegenbart
die allerletzten Haare aus.
Benni knurrt ihn lustlos an,
so gut er eben knurren kann
und zieht die Riesen-Schnauze kraus.

Über ihn - dort, an der Wand
am nächsten Tag zu lesen stand:

Hier wohnt der Katzenkiller!

Good Job.
Dem Alten jedenfalls
stank die Sache aus dem Hals.
Er verschwand nach Irgendwo.

Rheumadecken sind jetzt out,
weil keiner mehr die Muschies klaut.
Bukow hat nun tausend Wuschen
die munter um die Häuser huschen.

Benni, der scharfe Hund im Bund
wurde dicker, faul und rund
von den vielen Dankes - Happen.
Manchmal bellt der Koloss sogar,
wenn's wieder mal zuville war,
mit unsrem nervig späten Wecken,
um böse Räuber zu erschrecken.


Übrigens - eine der Miezekatzen hat Sabine adoptiert, weil
die nach der Freilassung garnicht wusste, wohin?
Die Mieze war praktisch völlig orientierungslos, lief ihr sicht-
lich dankbar in die Arme und nistete sich häuslich bei ihr in 
Flachbrust-Nähe ein.
Pech für Biene. Oder Glück.
Seit gestern wohnt die Mulle jedenfalls in Mannis Fahrrad-
Schuppen. Der hat zuerst einen Riesentamtam gemacht, als 
Sabine die kleine Mulle anschleppte: von wegen Ruhestö-
rung, und so.

Einen Tag später - also heute - will Biene die Katze wieder 
bei ihm abholen. Aber da ist es zu spät...Manni und Frollein 
Willi - so heißt Mieze jetzt - sind schon die dicksten Freunde. 
Oder besser: schwer ineinander verknallt.



Text & Bild: (c) Ralph Bruse


 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 18.07.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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