Hanns Seydel

EIN MÄDCHEN VOM DORF


" Sie brachte Blumen mit und Früchte,
Gereift auf einer andern Flur,
In einem andern Sonnenlichte,
In einer glücklichern Natur. "
( Schiller: "Das Mädchen aus der Fremde", 4. Strophe )




Wenn man ist noch jung an Jahren,
dann intressiert man sich für Mädchen
so wie hinterher für Frauen,
das ist normaler Weg des Jungen.
Damals war sie sechzehn
und wurde dann bald siebzehn.
Sie war schön und sehr bescheiden,
jeder konnt sie bestens leiden.

Auf Berufsschul` in der Stadt,
da lernte ich sie kenn`.
Sie sprach von ein` erfolgreich` Saat,
die nur Beruf ihr geben kann.
Und wenn es war dann Wochenend`,
auch dann, sie kam ins Stadtgeländ`.
Ein ganz bestimmt` Lokal
war ganz nach ihrer Wahl.

Wir trafen uns dort oft,
auf einmal war die Liebe da.
Die Zuneigung war wirklich echt
und gern, wir waren uns ganz nah.
Wir hatten eine Liebesnacht,
in der mit wunderbarer Macht
die herrlich` Emotionen
uns richtig tief erfüllten.

Die Zeit verging, sie wurde achtzehn
und macht wie all den Führerschein.
Doch plötzlich war sie auf und davon,
ihr` Spur, sie hatte sich verlorn.
Ich fuhr in ihren Heimatort
und erfuhr, sie war urplötzlich fort.
Sie wär zwar entfernt,
doch hätt` das Reisen nicht verlernt.

Zuerst, ich frug ihr` Schwester,
dann ich frug ihrn Schwager.
Denn ihr` wortkarg` Eltern,
die wollten sich nicht äußern.
Da war wohl manch` im Argen,
doch Keiner wollts erfragen.
Denn Diskretion bedeut` Verzagen
und verbietet Neugiers Fragen.

Und immer schwerer wurden
unser all` bewegte Herzen.
Denn krassest schlimm wir ahnten,
dass wir sie niemehr wieder sehen.
Da fiel mir ein, sie sagte,
sie woll` in andres Lande.
Berufsausbildung hinter sich,
wollt` sie hab` ein` große Sach`.

Sie strebte nach `ner Stell`
im großen Ministerium.
Da sie war hochgeistig hell,
war nichts für sie Mysterium.
Und ich, ein echter Detektiv,
der sich geistig nie verlief,
fragte nach ganz intensiv,
wo sie letzten Ends verblieb.

Sie zog von ihrem Heimatort
in weiten Bahnen fernhin fort.
Sie wohnte dann in einem Dorf,
von dem sie fuhr zu ihrm Beruf.
In einer Hauptstadt war ihr Wirken,
wo sie mit ihrn wertvoll Werken
Andre konnte sehr bestärken,
richtig viel zu arbeiten.

Ich hatte zwar den Führerschein,
ein Auto stand mir zur Verfügung.
Doch ich wusst`, sie wollte sein allein,
konzentriert auf ihre Fortbildung.
Unser ganz` Berufsschulklass`,
sie konnte es nicht fass`,
dass unsre herrliche Verehrte
nicht mehr bei uns währte.

Berufsausbildung längst schon hinter mir,
im erlent` Beruf seit lang` beschäftigt,
eines Tags, ich dacht: Was wurd` aus ihr,
hat sie ihre Position gefestigt ?
Und wie als Geistesblitz mich`s überkam :
Die Arbeitswoch`, sie ist jetzt `rum,
fuhr in Stadt zu unsrer Gaststätt`,
in der es war mit ihr so nett.

Ich fuhr dann los und wusste,
dass Gutes kommen musste.
Ich nahm dann in dem Gasthaus Platz
und überlegte mir `nen geistreich` Satz.
Und noch ganz versunken
in sinnvollste Gedanken,
es kam an ihr` Freundin,
die ich noch von früher kenn`.

Sie setzte sich zu mir zum Reden
und sprach von der Schule alter Zeiten.
Ihr` Freundin sei verheirat` und hätt` Kinder,
in ihr` Heimat wollt` sie nicht mehr wieder.
Wohl hörten wir von ihrm Erfolg,
der ein Segen war für dortges Volk.
Doch das Leben hat sie uns genommen,
Enttäuschung macht uns stark benommen.

Und ein Hoffnungsschimmer ist am Leuchten,
denn Gottes Gnad` ist stark am Wirken.
Unsre Frau wird wieder kommen,
nicht vergessend Heimats Wurzeln.
Und Eines wird für immer bleiben,
da sind wir uns all` einig :
Die herrlich` Frau bringt Freuden,
sie sei uns ewig heilig !

( E N D E )
Hanns SEYDEL, 29.11.2019
( Werk 056 )




" Und theilte jedem eine Gabe,
Dem Früchte, jenem Blumen aus.
Der Jüngling und der Greis am Stabe,
Ein jeder ging beschenkt nach Haus. "
( "Das Mädchen aus der Fremde", 5. Strophe )


 

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen

 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Hanns Seydel).
Der Beitrag wurde von Hanns Seydel auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 20.07.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

Der Autor:

Bücher unserer Autoren:

cover

Gesichter in Stuttgart 2008 von Silvie Brucklacher



Gesichter in Stuttgart Das Gesicht einer Stadt wie Stuttgart prägen die Gesichter der in ihr wohnenden und wirkenden Menschen. Stuttgart selbst besitzt viele Gesichter und Facetten. So wie seine Einwohner: Junge und Alte, Männer und Frauen, Marktfrauen und Flaneure, Schauspieler, Politiker, Literaten und Kritiker, Menschen des Alltags und der Kunst, Prominente und ganz "normale" Persönlichkeiten, die in der Stille wirken. Sie alle hat Silvie Brucklacher vor ihrer mittlerweile legendär gewordenen roten Kulisse fotografisch eingefangen und in eindrücklicher Form portraitiert [...]

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (3)

Alle Kommentare anzeigen

Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Liebe" (Gedichte)

Weitere Beiträge von Hanns Seydel

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

DIE ERRICHTUNG DES TEMPELS von Hanns Seydel (Nachdenkliches)
Kopf oder Liebe? von Elke Fittje (Liebe)
Rot wie die Liebe von Adalbert Nagele (Liebe)