Patrick Rabe

Tiefer in den Arsch/Kappen (Zwei Gedichte zur Lage der Nation)

 

Tiefer in den Arsch

Eine ejacoole Demütigung in Expressionistendeutsch

 

„Runter, runter, hinunter!“

leiert die Trantüte am elektrischen Stuhl

und drückt meinen Kopf immer tiefer und tiefer,

während sie versucht, ihn abzuschrauben.

 

Beflissen sabbernde Pizzatürken

eilen mit wehenden Haaren durch die Nacht,

während ihnen der Husarensäbel Mohammeds folgt,

und denken, ich werde dadurch Moslem.

 

Aber ich wurde schon längst als Baby von meiner Mutter

in den Kopf meines Teddys gestopft,

damit sie mich in ihm

von hinten in ihren Darm schieben konnte,

um dem Diakon unserer Kirche

einen Satansorgasmus

in ihrer Küche zu ermöglichen.

 

Das war exakt der Tag, an dem ich starb.

 

Seitdem jagen Polizei und Fantasyschriftsteller

meine Leichenteile.

 

 

 

 

© by Patrick Rabe 30. Juli 2020, Hamburg

 

 

 

Kappen

 

Ich kenne Leute, die das Leben nicht so richtig achten,

die gehen mit ihm um, als könnten sie es fremdverpachten.

Sie wollen es erschaffen, indem sie es zertrümmern,

sie woll’n sich, bis du tot bist, um dein Weitersterben kümmern.

 

Sie saugen dir dein Blut aus, leiten Gummibärchensaft

in deine müden Adern, diese rote Bullenkraft.

Sie kotzen dich mit Gaben zu, als wär‘ es Heilig Abend,

doch es schafft Müll bis an den Himmel und es ist nicht erlabend.

 

Sie trampeln über Menschen und glauben, das sei Tanzen,

wenn alles schön zu Bruch geht, fliegen sie, sich zu verschanzen,

in Regenbogennebelsuppe, atmen Lachgas ein,

und witzeln in dein Telefon: „Du Jude bist ein Schwein!“

 

Kapitalismus kappt den Nerv, der uns am Leben hält,

und setzt uns Einheitskappen auf;  ´ne schöne neue Welt.

Man bellt, man schließt auf die vermutete Gefahr,

man metzelt ab sein eig’nes Volk, die Angst jedoch bleibt da.

 

Dann kippen sie ins Dunkel runter, Suff killt all ihr All,

sie knallen durch die Scheiben: Universumsstromausfall…

 

 

 

© by Patrick Rabe, 27. Juli  2020, Hamburg.

 

 

 

Mit den/dem Kappen sind hier sowohl die Kappen von KZ-Häftlingen und die Caps von Hip-Hop-Hörern und Fans amerikanischer Sportarten gemeint, als auch das Kappen des letzten Drahtes zur Realität und zum Leben, das den Verwirklichern einer faschistischen Zombiegesellschaft ermöglichen würde, diese Dystopie umzusetzen und es uns noch als verwirklichte Utopie zu verkaufen.

 

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Die Glaubens-und Liebesgedichte von Patrick Rabe sind mutig, innig, streitbar, vertrauens- und humorvoll, sie klammern auch Zweifel, Anfechtungen und Prüfungen nicht aus, stellen manchmal gewohnte Glaubensmuster auf den Kopf und eröffnen dem Leser den weiten Raum Gottes. Tief und kathartisch sind seine Gedichte von Tod und seelischer Wiederauferstehung, es finden sich Poeme der Suche, des Trostes, der Klage und der Freude. Abgerundet wird das Buch von einigen ungewöhnlichen theologischen Betrachtungen. Kein Happy-Clappy-Lobpreis, sondern ein Buch mit Ecken und Kanten, das einen Blick aufs Christentum eröffnet, der fern konservativer Traditionen liegt.

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