Hanns Seydel

I K A R O S


Der Griechen großer Dädalos
und sein Sohn, der Ikaros,
sie warn der Griechen erste Flieger
und flogen immer höher.
Das Verhängnis nahm sein` Lauf,
als Dädalos dem Theseus half,
indem er ihm hat offenbart,
wie zu nutzen sei der Ariadnefad`.

Darüb` war König Minos so verärgert,
dass er beide hat verurteilt,
auf Kreta sollten sein verbannt
und niemehr käm` an Land.
Auf Kreta war gelegen
das Labyrinth des Minotauros.
Und Dädalos wie Ikaros
von Kreta wollten sich entfernen.

Die Flucht zu Lande war nicht möglich,
die Flucht auf See, sie wär nur kläglich.
Denn Minos war ein schlimmer Schuft,
der beherrschte viel, doch nicht die Luft.
Und Dädalos wie Ikaros erkannte,
die Luft war einzger Auswege.
Der Lüfte höchste Höhen
Minos konnte nicht errreichen.

Dädalos erkannt` nach langem Denken,
was einzig und allein konnt` helfen,
nämlich Flügel mit viel` Federn,
stabil durch Wachs am ganz` Gestängen.
Und Dädalos, der Kluge,
er warnte Ikaros mit Sorge :
"Zu tief geflogen, im Meere ist Dein End`,
zu hoch, die Sonne Dich verbrennt !"

So passierten sie erfolgreich und famos
ganz Samos, Delos und Lebinthos.
Doch Ikaros war jung an Jahren,
der Jugend Leichtsinn kam zum Tragen.
Das Pech durch Jugends Leichtsinn,
es kam unweigerlich dorthin.
Der Ikaros, er hatte den Gedanken :
"Ich flieg höher, sicher wird es klappen !"

Ikaros, er flog so hoch zum Himme`,
dass der Sonne starke Hitze
zum Schmelzen bracht` das Werk,
denn Federns Festigkeit war weg.
Gekommen war des Dramas Ende,
der Ikaros, er fiel ins Meere.
Dädalos war fassungslos,
sein Kummer, er war riesengroß.

Und Dädalos, er war massiv bestürzt,
der Schmerze hat sein Leben stark verkürzt.
Dädalos, er ward so traurig
wie ihn noch niemals jemand sah.
Er beerdigte den Sohne heilig
auf der Insel Ikaria.
Bis an seines Lebens Ende,
er behielt den Sohne im Gedächtnisse.



( E N D E )

Hanns SEYDEL, 05.02.2020

( Werk 086 )
























































































































 

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