Chris Peter

Der kleine Drache


 

Es war einmal ein kleiner Drache,

der dachte so bei sich: Ich mache

mir einfach einen schönen Tag

und tu nur das, was ich grad mag.

Er sprachs und spreizte seine Flügel;

erhob sich über zwei, drei Hügel

und landete im nächsten Tal.

Dort wartete er erst einmal.

 

Es tat sich nichts, drum flog er weiter

(ich denke, dies war auch gescheiter).

Er flog in Richtung nächste Stadt,

nicht weil er dort Verwandte hat –

er tat’s, weil ihn das lang schon reizte,

doch bisher mit der Zeit er geizte,

die er sich jetzt nun endlich nahm.

Sonst war der Drache eher lahm!


So flog er über Wälder, Wiesen,

dem Fluss entlang, dann quert er diesen.

Vorbei an vielerlei Gemächern,

an Bauernhöfen, Scheunendächern.

Dann sieht er schon die ersten Straßen

verlaufen sich in enge Gassen.

Er lässt sich dann am Dorfplatz nieder.

Doch das bereute er gleich wieder...

 

Denn als die Dorfbewohner sahen,

unsren kleinen Drachen nahen,

da fingen sie gleich an zu toben

und bewarfen ihn von oben

aus ihren Hausfenstern beizeiten

mit Steinen schon und großen Scheiten.

Sie schrien und schimpften auf den Drachen,

dabei wollt der nichts Böses machen.


Nur sich in Ruh die Stadt ansehen.

Er konnt die Leute nicht verstehen,

er hatte ihnen nichts getan

und trotzdem gingen sie ihn an.

Er war ein friedliches Getier,

und konnte wirklich nichts dafür,

dass er nun mal ein Drache ist -

war ganz und gar kein böses Biest.

 

Und dennoch wollt man ihn vertreiben.

Wär besser, ließen sie es bleiben!

Man könnte vieles sich ersparen,

die Folgen abzusehen waren.

Denn wie bei Drachen das so ist,

wird er verstört, er leicht vergisst,

wie leicht ein Feuerstoß entgleitet,

der Schmerz und Tod sogar verbreitet.


So wars auch hier, es kam wies musste:

Der Drache spie mit voller Puste

sein Feuer in die tobend Menge

und trieb sich dadurch in die Enge.

Die Leute schrien nur noch mehr,

man holte gar ein Schießgewehr

und wollt' dem Drachen an den Kragen.

Dies schlug ihm ziemlich auf den Magen!

 

So macht er kehrt und stieg nach oben

und ließ die Menge drunten toben,

bis sich beruhigt die Szenerie.

Den Anblick, den vergisst man nie.

Der Drache schließlich weiterflog

und was dabei erschwerend wog,

ist das, was er dort hinterließ:

Die Menschen schrien wie am Spieß!

 

Aus Angst und Wut über den Drachen

wollte man ihm den Garaus machen.

Dabei kam dieser doch in Frieden

und wollte sicher niemand sieden.

Er hat sich letztlich nur gewehrt,

jedoch das Volk fühlt sich gestört

und trat ihm nur mit Hass entgegen

- und das geschah noch nie zum Segen!

 

So zeigt es sich wieder einmal

wie schlimm es endet und fatal,

wenn man zu früh sein Urteil fällt

und stur sich auf den Standpunkt stellt,

dass alles, was als Böse gilt

auch wirklich gerne Leute killt.

Es ist, sieht man es im Detail,

ein wahr gewordenes Vorurteil...


 

Chris Peter aka  DerPoet (03/19)

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 05.08.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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