Patrick Rabe

Frühstück mit Freunden (Light my candles in a daze)

 

Abstürzen aus dem Schrott Deutschlands

in die überreifen Früchte Californiens,

und merken, dass man allein ist.

Auch die Californier verstehen sich nur noch

mit den Stahlträgern der Redneck-Agenda,

die ihre Plastikwelt aufrecht erhalten.

 

Aber ich höre den Mythos flüstern

in den Trauben

und unter den Schuttbergen.

 

Und ich greife die Hand

eines Wesens, das noch daran glaubt,

so wie ich,

und nicht an Schnaps, Korn und Bier,

wie meine Freunde,

 

die meinen Funk

mit ihren deutschen Käsekuchengehirnen

nur als Bildstörung auf ihren Fernsehern

erkennen können,

wenn das Programm

plötzlich nach Tod

und nach mit Blut übergossenen Krankenwagen riecht,

 

statt nach Micky-Maus-Amerika-Erklärungen,

Israeldeutungen aus dem

„Das darf man nicht mal im Traum in seinem Unterbewusstsein

als noch nicht geborenen Gedanken

als erahntes Gefühl wahrnehmen“-Maulkorb,

den man als Schmuck im Kopf trägt,

 

und nach Merkel, die man für alles verantwortlich machen kann,

deutscher Vergangenheitssülze in Dokumentationen von Guido Knopp und Heinrich Breloer,

 und Großer Kloalition mit Pissoirabfluss

in den asozialen Medien.

 

Und wir erwecken die Toten

und sie tanzen.

Doch im mir verhassten Heimatflughafen Deutschland

riecht Californien anders.

Alle denken, dass es stinkt,

weil wir hier immer noch

Jacobs Gammelmundgeruch-Kaffee saufen,

denken, er wird progressiver,

wenn wir ihn mit „C“ schreiben,

und dass wir Afrika und das Trinkwasser retten,

wenn wir keinen Nescafe trinken.

Doch wir erschufen damit nur

10 kleine Negerlein,

die in einer Zeitschleife gefangen sind

und immer wieder in einem Schlauchboot im Mittelmeer ertrinken.

 

Gimme a Leonard Cohen-Afterworld!,

fleht Kurt Cobain.

Und er zündet in dumpfer Morgeneuphorie

eine Kerze an,

im lila Nebel des LSD-Meskalin-Heroin-Gemisches,

das die Hippies übriggelassen haben,

 Mutterkorn-Sodbrennensäure,

die Timothy Leary

aus seinem verfaulten Kopf geschwitzt hatte,

um die letzten Deutschen zu vergiften

und sich von Albert Hoffmanns Nazivergangenheit zu befreien.

Dumm nur, dass er damit auch jede Menge Amerikaner erwischte.

„Das ist nicht Gott!“, murmelte Kurt.

 

„Nein.“, sage ich,

„Da hilft auch kein Klebstoff und kein Terpentin,

um den Teufel auszutreiben.

Wir müssen einsehen,

wo Gott zu einem Kind wurde,

und dann müssen wir

die blitzende Würznutte

im Salzeiter heilig heißen

und sie möglichst unverfälscht in den Salpeter gießen.“

 

Rasch brennt ein gelbes,

wahnwitziges Feuer

unter dem irren Gelächter

des Schwefelgeistes.

 

Doch ich fasse ihm in die Hand

Und sage ihm:

„Wir dürfen nicht immer füreinander eintreten,

wenn wir befürchten, dass es der andere nicht hinbekommt.

So vermasseln wir alles.

Ich bin kein Karmaberater.

Dafür bin ich zu da

und zu wenig dort.“

Ich entzünde eine Kerze.

Aufatmen. Refuge.

And not the last.

 

Auch, wenn der gammelige Wackelchinese,

der mich immer wieder belästigt,

das gerne so hätte.

 

Er grabscht in seinen Kopf

und holt sich die Würmer heraus,

die seine Chinockenbedürfnisse sind:

zwei vergewaltigte Drachen,

die erhaben geblieben wären,

hätte er China oder den Himmel nie verlassen

und wäre nicht in die Hände

einer irren Nazifamilie gefallen,

die Chinesen adoptieren,

ihnen deutsche Namen geben,

und sie in amerikanische Käsetoastsandwiches

mit deutschem Spießerfrühstückgeschmack verwandeln,

um ihre nackte Colakälte

und ihr trocken wahnwitzig überkanditeltes Sibirien-Straflagerfrieren

als kalten, katholischen Schüchternheitsschweiß

evangelisch in den Kaffee aller Juden zu kippen,

die sie im Staub der Kakerlakenkacke

in den Gaskammern von Auschwitz noch vermuteten.

 

Und das Schwarze ergießt sich

als Hiroshima-Sorgen

aus seinem am deutschen Wesen

nicht genesenen

Chinesenkopf

 

und wird zu Aalschlangen in meinem Brechreizmüsli,

in denen ich seine hinterhältig im Hintergrund bleibende,

schweigende, dürre, deutsche Nazimutter erkennen kann,

die mir den Weihnachtsmann vermiesend

als türkische, eckig geformte, arrogante Nikolaus-Theologen-Feigenklumpen-im Bauerngewand-Kotze

mit „Es gibt keinen Weihnachtsmann, sondern nur das Christkind-Geschmack“

in meine Kinderseele hineinvorwurft,

statt Lindt-Weinachtsmänner aus Schokolade

oder wenigstens leckere Rosinen,

damit ich ewig im Pietistenmatsch waten soll,

bis ich den von ihnen erwünschten Heimweg

nach Germanien gefunden habe.

 

Mein Gebet für heute Morgen lautet:

„Deutschland, verrecke!

Amerika muss düster

Und Israel heilig bleiben.“

 

Ich weiß wohl, dass das auf dem irdischen Plan kaum zu schaffen ist,

sondern nur im Geiste,

und auch das nicht,

wenn wir uns alle unsere Geister in die Tonne kloppen.

 

Ich brülle.

Und mit zittrigen Händen sehen die Amerikaner,

wie ihr geliebtes Deutschland,

in dem sie hofften,

noch ein käsegelbes Nazireich

ohne den jüdisch-schwarzhaarigen Hitler

errichten zu können,

morsch in Rost zusammenfällt

und mit mumpfigen Geräuschen

im Matsch eines norddeutschen Moores versinkt,

 

wo reine Satansgeister

lachend die bleichen, germanischen Juden

schwedisch aufschlitzen

und auf ihrer eigenen Hochzeit tanzen,

und wahre Ströme und reißende Flüsse von Jauche

durch das Land fließen lassen.

 

Unter wahnwitzigem Gelächter

kippt Donald Trump

als kleine Zimbeläffchenfigur

von George Harrisons Kamin

 

und fällt an meinen Cornflakes vorbei,

weil Billie Eilish

ihn schnell noch

mit einem geübten Hip-Hop-Tritt

wegkickt.

 

Lachend und lallend

gießen wir uns Wein hinter die Binde

und versinken

mit Kurt Cobain

 im Matsch.

 

Gut, dass man Freunde hat.

 

 

 

 

 

 

© by Patrick Rabe, 12. August 2020, Hamburg.

 

„Today I found my friends. They’re in my head.“

 

(Kurt Cobain,“Lithium“)

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