Andreas Vierk

Die Leute und ich

 

Die Leute stehn beim Arbeitsamt,
die Hände in den Taschen,
und warten auf ihr bisschen Geld,
vielleicht noch was zu naschen.

Und kommen sie von da nach Haus,
dann sind sie froh und munter,
sie ziehen ihre Schlampe aus,
und hau’n ihr eine runter.

Ich bin ja auch ein Parasit,
das geb ich offen zu.
Ich krieg von Vater Staat mein Geld
und will nur meine Ruh.

Warum nur sehn die Leute nicht,
wer unter ihnen wohnt.
Ich bin ein Goldfasan voll Licht,
und komm vom halben Mond.

Die Leute sind im Supermarkt,
ich stehe meist im Wege.
Ich denke so: Mach hinne, Mann,
und komm nicht ins Gehege.

Der alte Mann, der muffelt schon,
trotz feinen Anzugtüchern.
Er droht mir mit dem Regenschirm
und faselt was von Büchern.

Die Kinder schreien wie Sirenen,
besonders wieder heute.
Ich sag’s mir immer wieder vor:
Die Bälger sind auch Leute.

Die Leute stehn in Gruppen rum
und saufen auf den Plätzen.
Sie rülpsen und sie grölen dumm
und hör’n nicht auf, zu hetzen.

Die Linkspartei mit Kiezbüro
argumentiert sehr klug.
Was woll’n sie bloß mit meinem Geld?
Die haben schon genug.

Mein Nachbar Ali, Türkenmann,
gehört auch zu den Leuten.
Er dreht die Bauchtanzmucke laut.
Den könnt ich ständig häuten.

Er lebt schon dreißig Jahre hier,
hat einen deutschen Pass.
Er spricht auch schon ein bisschen Deutsch,
hat auf uns alle Hass.

Hier gibt’s bloß Kieselwaschbeton
und grau ist jedes Haus.
Die Schenkel von den Weibern hier
sehn genauso aus.

Die Göttin tanzt auf meinem Tisch,
ich nenn sie Wodkapulle.
Mal sehn, was ich zum Kacken hab:
Ah hier, ne Butterstulle.

Und morgens früh zum Abendbrot
da wird es draußen hell.
Ich kratz mir Schillers Glocken rot,
bin intellektuell.

Ich sitze jeden Abend dann
auf meinem linken Knie.
Ich habe meinen Rechner an.
Ein Hoch der Poesie!

 

 

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 14.08.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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Andreas Vierk schreibt seit seinem zehnten Lebensjahr Prosa und Lyrik. Er verfasste die meisten der Gedichte des „Septemberstrands“ in den Jahren 2013 und 2014.

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