Horst Fleitmann

Herr Kurz und die Kartoffelkiste

Wie hat es doch Herr Kurz so schwer,
ist sein Gehirn poetisch leer!
Will ihn die Muse nicht mehr küssen,
meint er sogleich, er müsst jetzt müssen
verzichten ganz auf Dichterruhm. –

Ein Hoch dem Dilettantentum,
weil dort die Worte zwanglos fließen! –
Problemlos reimt sich gießen, niesen.
Und fällt dem Schreiber nichts mehr ein,
dann lässt er’s Reimen einfach sein.

In Zweifelsfällen weiß er eines:
Nicht menschlich Geist, nein, Geist des Weines
formt Reime und Gedanken wohl.
Ein zweites Hoch dem Alkohol.

Das dritte Hoch gilt Witwe Bolte,
die Kurz hier nicht vergessen wollte,
weil sie einst stieg mit einem Teller
hinunter tief in ihren Keller,
damit sie aus dem Fass sich hole
vom selbstgestampften Sauerkohle.

Er stillt den Hunger, füllt den Bauch
Und der Verdauung hilft er auch.

Nun, wer auf Ruhm nicht gern verzichtet,
der ist verpflichtet, dass er dichtet.

Drum steigt auch Kurz oft in den Keller,
doch immer ohne seinen Teller.
Kurz holt sich dort den Gerstensaft
der kreative Hilfe schafft.
Wenn Geist und Hirn nichts von sich geben,
dann muss Kurz einfach „Einen“ heben !

Und dabei ist’s ihm dann gescheh’n,
er konnt‘ es hören und auch seh’n:
Es tönt aus der Kartoffelkiste
Ein leises, feines Stimmchen: „Siehste
Die Kleine, Schlanke, Nette, Dolle
Dort oben links? Das ist ‘ne Knolle !!
Ein Fräulein namens Sigilinde !
Wenn ich zu ihr ‘nen Weg nur finde !
Ich fühl‘ mich einsam und alleine !
Du weißt ja schon wie ich das meine.“

Was hier so klang nach Frauenkenner,
war’n zwei Kartoffeln, sicher Männer,
schon etwas welk und schrump‘lig weichlich
doch voll Hormone scheinbar, reichlich.

„Da hast Du recht – von Mann zu Mann“,
fing da die zweite Stimme an,
„sie ist ganz wunderbar in Schale.
Nur ich wünsch mir dies eine Male

weils hier noch niemals ist geschehn:
Ich möchte mal ‘nen Striptease sehn !
Kannst Du’s nicht richten, lieber Stoffel ?
Ich säh‘ sie gern als Pellkartoffel !“

„Wie kannst Du nur so lüstern sein ?
Dies ist beschämend und gemein,“
hört‘ Kurz das erste Stimmchen wieder,
„ich sing ihr süße Liebeslieder.
Drum wird sie vieles mir erlauben !
Was hat sie doch für schöne Augen !“

Hier stellt sich überraschend dar:
Was Schönheit ist, ist längst nicht klar.
Wie kann man dem Verstand noch glauben:
Da schwärmt wer für Kartoffelaugen !

Kurz jedenfalls gab sich jetzt fair,
auch war die zweite Flasche leer
er stieg hinauf, schon ziemlich stramm.

Dort spitzt er seinen Bleistift an
Und schrieb dies auf . – Doch wie geht’s weiter ?
Wird’s ernst, beschaulich oder heiter ?

Kurz meint, er hätt‘ sie nicht verführt.
Wird wer geschält, gekocht, gerührt,
dem geht die Liebe aus dem Sinn.
Das käm‘ bei Kurz so gar nicht hin.

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