Hanns Seydel

DAS VERKANNTE TALENT (2020)

(Die verkannte Schriftstellerin, die verkannte Komponistin)
Das Gedicht betrifft einerseits Annette von Droste-Hülshoff, die zeitlebens als Schriftstellerin/Dichterin keine wirkliche Anerkennung fand (im Gegensatz zu heute) und andererseits Clara Schumann, die zwar als PIAnistin weltberühmt war, jedoch als KOMPOnistin erst in den 1960er Jahren (!) (wieder)entdeckt wurde (Quelle betreffend Annette: Autorin: Nicole Scherschun, Redaktion: Hanna Grimm, Quelle betreffend Clara: Wikipedia).


"Meine Lieder werden leben,
Wenn ich längst entschwand,
Mancher wird vor ihnen beben,
Der gleich mir empfand."
(Annette von Droste-Hülshoff)




Sie war `ne große Künstlerin,
in der Kunst ein` echte Meisterin.
Ihr Talent war überwältigend,
ihr` Inspiration überragend.
Wohltuend ist die Anerkennung
und bitter jede Ablehnung.
Anerkennung bringt Abwechslung,
Ablehnung hieß für sie Verzweiflung.

Das Talent hat einen Schöpferdrang,
der Schönes bringt in Gang.
Talentes Werk hat einen Klang,
der niemand macht je bang.
Ob herrlich anerkannt, ob herbe abgelehnt,
das Talent sich nach Besondrem sehnt.
Doch die Ablehnung wirkt krass,
des Talentes Seel` wird blass.

Ein Talent, das wird verkannt,
wird oftmals auch verlacht.
Von denen, die sich "Kenner" nennen,
sind manche mit Vorsicht zu genießen.
Denn einige der Kenner
sind unverfrorne Kritiker.
Ablehnung hat kein Talent verdient,
jede Mühe sollte werd` belohnt.

Doch das Talent hat Selbstbewusstsein
und bleibt in seiner Kunst stets rein.
Das Verkanntsein ist zwar immer bitter,
doch schon entsteht des neuen Werkes Splitter.
Und mit hellem Kopf erkennend
und mit wachem Blick ersehend,
beim Talent ist alles unter Dach und Fach,
es macht sein` Sach` auch noch bei Nach`.

Die Substanz der großen Werke
zeigt einzigartig hehre Werte.
Da ist beeindruckt wirklich Jeder,
Professor, Meister, Lehrer.
Das Talent, es lässt sich nicht beirren,
keine Ablehnung kann es je verwirren.
Nur der Wahrheit will es dienen,
die Kunst, sie ist für es ein Segen.

Fäll`, in denen das Talent
am Anfang wurd` verkannt,
sind weithin sehr bekannt
auf ganzer großer Welt.
In sei`m Leben nur verkannt
und vom Ruhme herb verbannt,
wurd` nach sei`m Tod sein` Größ` erkannt
und sein Nam` bewundernd nur genannt.

Im klaren Kopf das Große tönt,
das Genie auf innre Stimme hört.
Verkannte Genies gibt`s auf der ganzen Welt,
erst spät, es wird erkannt ihr großer Wert.
Und tief und tief und intensiv,
sein Geist sich niemals je verlief.
Und wenn das Grab ihm letzlich winkt,
sein` Ewigkeit, sie dann beginnt.

Niederschmetternd kann Enttäuschung sein,
wenn große Kunst wird herbest abgelehn`.
Die Künstlerin war sehr sensibel
und bei ihrer Arbeit pur penibel.
Das ganze Werk der Künstlerin,
es bleibt Bereicherung ohn`hin.
Doch in der Geschicht` ist`s eine Schande,
dass in ihrem Leben fehlt des Ruhmes Glanze !

( E N D E )
Hanns SEYDEL, 29.02.2020 / 01.03.2020
( Werk 117 )




"Meine letzten guten Jahre gehen dahin, meine Kräfte auch ..."
(Clara Schumann, Tagebucheintrag vom 30.09.1853 - nach einem Besuch von Johannes Brahms)

 

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