Patrick Rabe

Bat Mitzwah der Rasenden

Bat Mitzwah der Rasenden

(Heimkehr in die Hölle)

 

 

Und wir sitzen am Küchentisch,

und sie gibt mir Schokolade,

und ein Stechapfelzimtgemisch,

und sie zieht aus ihrer Wade

tausend Messer, und stößt sie mir

in Nieren, Lenden und Herz,

und sie lacht wie ein wildes Tier,

und sie leckt an meinem Schmerz.

 

Und wir fallen, ich reiße sie

mit mir auf den Küchenboden,

und sie stöhnt, und ich weiße sie,

ihre Hand fasst meine Hoden.

Und gleich Babels Turm steht mein Schwanz,

donnert hart in ihr Gesicht,

und dann dringt er von hinten ein,

gottlos ist unser Gericht.

 

Raben fliegen aus unserm Geist,

unsrer Seele hoch empor,

und sie flüstert mir, wie sie heißt

leise glühend in mein Ohr.

Und ich falle in sie hinab

Und bin auf ihr geborgen,

zuckend tanzen im Massengrab,

und es gibt kein neues Morgen.

 

 

© by Patrick Rabe, 23. August 2020, Hamburg.

 

 

Die Bar-und Bat Mitzwah sind im jüdischen Brauchtum in etwa mit der evangelischen Konfirmation oder der katholischen Firmung oder Erstkommunion vergleichbar. Es ist ein Fest der Einführung des Neulings in die Geheimnisse seiner ihm angestammten Religionsgemeinschaft. Meistens markiert es auch entwicklungspsychologisch irgendeinen Schritt, wie z.B. die Konfirmation den Beginn der Pubertät. Vom evolutionären Standpunkt her basieren solche Feste auf der archaischen Vorstellung, sich seinem Gott ganz hingeben, also quasi opfern zu müssen. Die ursprünglichen jüdischen Riten mit sich fortsetzenden Beschneidungsfesten (Vorhaut, Haupthaar etc.) deuten noch darauf hin. Eben deswegen ist die Frage, wie wir uns Gott vorstellen, und mit was wir da so rechnen, nicht ganz ohne Belang. Vieles, was uns christlich geprägten Menschen am alten und auch neuen Testament verborgen war an jüdisch interner Mystik, enthüllten Künstler wie der Songlyriker Leonard Cohen in ihren Gedichten und Songs. Ich finde es sehr schade, dass uns die Juden das mehrheitlich vorenthalten, denn es ist ein Schatz an großen Kostbarkeiten und ein Schlüssel zum Mysterium des Lebens.  Leider musste ich mir die polizeiliche Verfolgung und einen Prozess gegen mich wegen angeblichem Antisemitismus gefallen lassen…weil ich meine eigene Religion verstehen wollte und, nachdem ich bei Synagogen mehrmals abgewiesen wurde, eben selber nachgeforscht habe. Das verstimmt mich natürlich immer noch und es hat meine Einstellung zur jüdischen Welt zumindest überschattet. Ich möchte dennoch auch weiterhin die Hand zur Versöhnung hinhalten und bin für fruchtbaren Dialog immer zu haben.

 

Dieses Gedicht ist eine düstere Fortführung des archaischen Opfergedankens und knüpft an die Beschreibung der Affäre zwischen David und Batscheba an, wie Leonard Cohen sie in „Hallelujah“ schildert. In Cohens Lied wird Batscheba in dieser Szene mit anderen Frauen zusammengedacht, wie Delilah, Sulamith und Judith. Dies scheint eines der Geheimnisse des Lebens von König David zu sein, er muss sich immer wieder mit Rückschlägen und Tragödien herumplagen, obwohl schon sein Weg zur Königswürde selber so steinig war. Allerdings bekommt er auch immer wieder höchste Gnade und Segnungen. Wie hätte er sich da eine Frau entgehen lassen können, die schon Batscheba (Die siebte Tochter) heißt? Die 7 ist nun einmal die Zahl, die höchste göttliche Vollkommenheit auf der Erde wiederspiegelt. Allerdings, so glaube ich, müssen Zeit, Ort und Gegebenheit für eine solche Begegnung stimmen. Denn dann beginnt der „Poker“ um die höchste Würde: Das Werden zur 9. Ohne für immer den Rückwärtsdreher zur 6 zu machen oder zu der der 9-Qualität entsprechenden, aber für die menschliche Existenz sinnlosen 0 zu werden.

 

Gewidmet dem Mystik-Experten und Meistersonett-Dichter Andreas Vierk.

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