Hanns Seydel

DIE RACHE DES KULLERVO (2020)


Einst war Untamo mächtig in Finnland
und bracht` Kalervo, seinen Bruder, um.
Er war außer Rand und Band,
sein Charakter, der war krumm.
Impulsiv und ohne Hemmung
wollt` er nur Verbrennung.
Und wie `ne finstre Flut
war geweitet Mörders Glut.

Verkümmert im Prinzip bereits
war Untamos übles Herz.
Und jeder Unhold immer weiß,
dass alles Böse kennt nur Hetz`.
Rast heraus aus seinem Haus,
grauenhaftest wutentbrannt,
aufgebracht wie Sturmes Braus`,
hat ein` Hass wie nie gekannt.

Unverklemmt und ungehemmt,
ohn jede Spur von Ruh`,
gnadenlos, er schlug stets zu,
jed` Mitleid war von ihm getrennt.
Niederträchtig war sein Sinn,
im Töten sah er `nen Gewinn.
Aufgestaute Energie der Bosheit
brachte oftmals Streitigkeit.

Hemmungslos hell hasserfüllt
war sein Antrieb übermächtig.
Ausgericht` auf`s Bös` der Welt
war er nur nach Mordlust süchtig.
Unbeweglich, unwägbar und unbestimmbar,
Untamos grell gemein` Gesinnung war.
Er erschien Bekannten nur obskur,
die schöpft` Verdacht, doch er blieb stur.

Fast die ganz` Famil` des Bruders
grauenhaft, er hatte krass getötet.
Eine Frau, die war was ganz Besonder`s,
blieb verschont und wurd` nicht abgeschlachtet.
Die Frau aus dem Geschlechte des Kalervo
war schwanger und gebar Kullervo.
Ermorden wollte ihn der schlimm` Untamo,
doch diese Tat gelang ihm nirgendwo.

Dann, vor lauter lodernd` Leidenschaft
sein Inneres war ausgebrannt.
Und Untamo hat Kullervo nur gemied`
und ihn verkauft an einen Schmied.
Ilmarinen war ein guter Schmied,
denn Schmieden war sein groß` Gebiet.
Kullervo wuchs heran und musste dienen
bei dem überall bekannten Ilmarinen.

Des Ilmarinens Frau war krassest arg
hinter ihr` Fassade Böses sich verbarg.
Als Hirt` musst` Kullervo bei ihr dien`
und Kullervo, er wollt` baldigst fliehn.
Und er hob sich auf sein` Rache,
sein` Sehnsucht nach Vergeltung.
Und immer krasser wurd` die Sache,
im Drang verlor er jede Hemmung.

Und Kullervo ward es dann zu bunt,
hetzt viele wilde Tiere zu ihr hin.
Es war für sie `ne schlimme Stund`,
denn ihr`n Tod, Kullervo hat im Sinn.
Nach ihr`m Tod, Kullervo eilt nach Hause,
froh sein` Eltern wiedersehend.
Da sah er eine schöne Frau und staunte,
denn sie war für ihn belebend.

Doch Kullervo konnt` nicht wisse`,
die schöne Frau war seine Schweste`.
Als jene dann die Wahrheit kennt,
sie zögert nicht und hatte sich ertränkt.
Der Mensch mit starker Ausstrahlung
besteht aus Verinnerlichung.
Der finnisch` Frauen Trän`ausbrüch`
Kullervo machten schrecklich bleich.

Da wurde trübe seine Seele
und bekümmert tief sein Herze`.
Lebens Härte kommt am Schwerste`,
wenn es scheint, man wär im Glücke.
Unentschlossen war er nie
und ging niemals in die Knie.
Da trieb`s Kullervo heftig zu Untamo,
der und sein` Famil` wurd` nicht mehr froh.

Denn Kullervo wollt` sich rächen
und sah sich als Gerechten.
So kam er rächend zu Untamos Haus
und löschte alles Leb` dort aus.
Ohn` Belichtung, ohn` Beschränkung,
nur Vertiefung, nur Verstärkung,
sah er Blutes Bad bald branden,
bei ihm war Herzenskält` entstanden.

Zwar, er war Verfechter der Gerechtigkeit,
doch sein Hass, er hat ihn innerlich verzehrt.
Stille Wasser sind sehr tief und sinken tiefer,
dies weiß ein jeder krasse Krieger.
In sich selbst so sehr versunken,
war er des Gedankenreichtums trunken.
Des Geistes Funken funkten derb,
all` Artikulationen war`n nur herb.

Und Kullervo kam dann heim,
wo er sah `nen bösen Keim.
Denn dort war Keiner mehr am Leben
und Kullervo, bald schon wollte sterben.
Er stürzte sich in`s eigne Schwert,
das Leben hat für ihn verlorn sein` Wert.
Und Ilmarin` versank in Traue`,
dachte an sein` tote Fraue.



( E N D E )

Hanns SEYDEL, 25.02.2020 - 09.03.2020

( Werk 121 )

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